• Spezialerwähnung des Jahres

    Ungfell – De Ghörnt

    Für meine bewährte Top 10 müsst ihr euch heuer noch ein wenig gedulden, dafür gibts eine Überraschung dazu. Meine Spezialerwähnung des Jahres geht jedenfalls an Ungfell, eine Band, die ihr Album (De Ghörnt) schon Ende letzten Jahres veröffentlicht hat. Meine Vorfreude war groß – und dann gings im vorweihnachtlichen Trubel einfach unter. Erst knapp nach Jahreswechsel wurde ich auf mein Versehen aufmerksam, aber wusste immerhin sofort nach dem ersten Hören, dass meine Spezialerwähnung damit fix ist. Letztes Jahr wär das wahrscheinlich auf Platz 2 gelandet, heuer auf Platz 1. Somit tut es mir wirklich leid, dass ich die Band um die gebührende Platzierung gebracht habe, aber in der Spezialerwähnung kann ich mir zumindest etwas mehr Raum geben.

    Jedenfalls, wenn ein Album „De Ghörnt“ heißt, fallen zwei Dinge auf: 1. Die Sprache ist hier nicht Standarddeutsch. Das habt ihr völlig richtig erkannt, die Band verwendet auf ihren letzten Alben nur mehr Schwyzerdütsch. 2. Der Gehörnte könnte der Teufel sein. Damit liegt ihr aber falsch, es geht um den Rollibock. Um wen? Na den Rollibock! Eine Sagengestalt in Form eines Geißbocks, der die Natur seines Heimatgletschers beschützt. Als nun ein Wilderer kommt und zuerst Edelsteine stiehlt und zerstört und schließlich auch noch eine Gams mit ihrem Kitz schießt, lockt ihn der Rollibock ins Verderben und lässt das Tal unter sich im Gletschersee versinken. Die Band selbst ist derzeit einer der heißesten Undergroundtipps im Black Metal, soweit ich die Szene noch überblicke, und das völlig zu recht. Allein dieser Song bietet alles vom akustischen Anfang über wohlig warme Winterweisen (1:27) zur rotglühenden Raserei (5:19) bis hin zu einem epischen Ende (7:03), das euch stundenlang in den Ohren bleiben wird. Und manchmal übrigens – so erzählt man sich – sieht man ihn noch im Gletscher herumirren, den verwunschenen Jäger. Den Geist vom Märjelensee. Phänomenales Album einer phänomenalen Band.

    Top 10

    Meine Top 10 des Jahres möchte ich wieder einmal unter das Thema der Danksagung stellen, weil uns heuer zwei bedeutende Musiker verlassen haben. Zum einen Tompa Lindberg von At The Gates, der für mich als alten Göteborger viel gemacht hat. Aber in einer völlig anderen Dimension ist natürlich Ozzy Osbourne, der für uns Metaller alles getan hat. Nur bei wenigen Menschen kann man wirklich sagen, dass ohne sie die Welt heute eine andere wäre. Aber vielleicht noch beeindruckender als Ozzy Osbournes Leben war sein Tod. Ein Tod, von dem er wusste, dass er kommt, und dem er noch einmal ein Schnippchen schlagen wollte, die originalen Black-Sabbath-Mitglieder zusammentrommelte, und alle Konflikte für dieses Abschiedskonzert beiseitegelegt wurden. Und dann hat er sich nur noch auf dieses letzte Konzert vorbereitet. Massiver Respekt dafür. Das gibts ja ganz oft bei alten, dem Sterben nahen Menschen, dass sie noch auf ein Ereignis hinarbeiten und dann sterben. Meistens halt ein Geburtstag, Weihnachten, Geburt von einem Enkerl etc, bei ihm wars einfach der letzte Auftritt mit der ersten Metal-Band der Geschichte. Ich hätte nicht gedacht, dass eine Legende wie Ozzy Osbourne noch legendärer hätte werden können. Ich ziehe meinen Hut. Servus Ozzy, danke!

    10. Cytotoxin – Biographyte

    Immer wenn ich die Band höre, bekomme ich das Bedürfnis, die grandiose Chernobyl-Miniserie wieder anzusehen und mich stundenlang in Wikipedia-Artikeln über die Tschernobyl-Katastrophe zu verlieren. Ihr lyrisches Territorium ist somit ähnlich gut bekannt und zugegebenermaßen eng abgesteckt wie ihr musikalisches und doch fällt ihnen auf jedem Album wieder etwas Neues dazu ein. Dieses Mal liegt der Fokus noch mehr als sonst auf ihrer zum Zunge schnalzen grandiosen Technik und köstlichen Melodien, nicht nur in den Soli, sondern auch in den Riffs. Ihr hauseigener Groove rückte hier ein wenig in den Hintergrund, was jetzt kein großes Problem ist, aber manchmal würde man halt doch gern einfach nur den Kopf ausschalten und durch die nukleare Wüste stampfen.

    9. Rivers Of Nihil – Rivers Of Nihil

    Mit zwei Band-Abgängen seit dem letzten Album, darunter dem Sänger, sieht die Band zwar heute anders aus, klingt aber dafür erstaunlich konstant. Auch das Saxophon spielt immer noch eine integrale Rolle in der Musik, diesmal teilweise unterstützt von einem Banjo. Die Musik basiert weiterhin auf ihrer Erfolgsformel von 2018, wobei die Experimente im Vergleich zum Vorgänger etwas zurückgefahren wurden und sie jetzt wieder songdienlicher vorgehen. Was ebenfalls gleich geblieben ist, ist, dass auch dieses Album ähnlich viel „Arbeit“ erfordert, um die vielen Breaks und Stimmungswechsel zu verarbeiten. Ich bin nicht 100%ig überzeugt, ob ich diese Formel dauerhaft gut finden werde, aber noch überwiegt das Positive.

    8. Beheaded – Għadam

    Beheaded ist eine Band, die sich Anfang der 90er einen gewissen Namen im Brutal Death Metal gemacht hat, mir aber bis jetzt völlig unbekannt war. Aber um heutzutage in mein Bewusstsein zu dringen, braucht eine Band – gerade im Death Metal – das gewisse Extra. Ein Albumname aus einem nicht erkennbaren Wort einer nicht erkennbaren Sprache, idealerweise mit Sonderzeichen, bietet hier also beste Voraussetzungen. Für ihr neues Album hat sich die Band nämlich für ein Konzeptalbum zur Horrorliteratur eines heimischen Autors in ihrer Muttersprache Maltesisch entschieden. Maltesisch ist ja am Ende des Tages doch nichts anderes als ein arabischer Dialekt, der sich seinen europäischen Adoptiveltern zuliebe für lateinische Buchstaben entschieden hat, und das erkennt man z. B. am Beispielsong. Dieser wartet noch dazu mit einigen Sprechpassagen (4:09) auf, die melodisch untermalt (4:35) und emotional (5:18) dargeboten werden. Bei Stilbrüchen haben Neueinsteiger wie in diesem Fall ich einen Vorteil, da wir mit frischen Ohren und ohne Voraussetzungen in die Musik gehen. Ich kann nämlich die langgedienten Anhänger der Band durchaus verstehen, die den früheren Brutal Death zurückwollen. Als Neueinsteiger haben wir aber beides: ein fantastisches neues Album und einen exzellenten Backkatalog an zu entdeckenden Alben.

    7. The Halo Effect – March of the Unheard

    Zum Debüt dieser Göteborger-All-Star-Band habe ich 2022 geschrieben, dass nicht alles Gold ist, was glänzt, aber wir uns auf den Glanz konzentrieren. Jetzt, beim zweiten Album hören wir die Musik aber, ob wir wollen oder nicht, wie eine normale Band, ohne den Schleier der Nostalgie, ohne die Euphorie des Neuen. Und die Musik ist die gleiche wie vor 3 Jahren und auch die gleiche wie vor 25 Jahren, aber sie ist halt auch immer noch gut. Der Klargesang (1:16) ist merkbar weniger als auf dem ersten Album, und ich wäre auch gut ganz ohne ihn ausgekommen, aber wenn er wie in diesem Song als künstlerische Notwendigkeit eingesetzt wird und nicht als massenschmeichelndes Abrunden der Ecken, dann soll es mir recht sein.

    6. Rwake – The Return of Magik

    Diese Band (das R bleibt angeblich stumm) kenne ich nur durch einen Song von ihrem Album von vor 14 Jahren, zu dem sie das vielleicht beste, auf jeden Fall aber eindrücklichste Video überhaupt aufgenommen haben. Die Musik dazu war gut, aber nicht so, dass ich mich näher damit beschäftigt hätte. Als ich dann heuer sah, dass sie wieder aktiv sind und ein neues Album haben, nützte ich die Gelegenheit, um die Band besser kennenzulernen. Grund für mein Zögern ist auch, dass ihr Genre nicht mein Spezialgebiet ist. Manchmal aber gibt es ganz einfach nichts besseres als dreckigen Südstaaten-Sludge, mit viel Hardcore, Doom und keiner Scheu, einfach einmal der Melodie zu folgen, zu schauen, wo sie hinführt, und Experimente zu wagen (2:33). Grandios die gesprochenen (geklagten? gerufenen?) Texte über melodischem Schlurfen (3:20) und die ausladenden Soli (6:02).

    5. Sun After Dark – Tatkraft

    Ich war seit Langem auf kein neues Album mehr so gespannt, wie auf dieses hier. Sämtliche Nebenprojekte von ehemaligen Lunar-Aurora-Mitgliedern hab ich schon ausprobiert, manche besser, manche weniger, aber nichts davon der Real Deal. Als es dann hieß, dass Benjamin König selbst, der Gitarrist und Songwriter wieder Metal machen würde, war ich hellauf begeistert, auch wenn schon die Rede davon war, dass es sich nicht (nur) um Black Metal handeln würde und verschiedenste persönliche Vorlieben ausprobiert werden sollten. Das zweite Hauptmitglied ist der Sänger von Empyrium, und damit haben wir auch schon die zwei Haupteinflüsse. Viele Electronics/Symphonics mit elegischem, spacigem Klargesang (1:09), der meist englisch gehalten wird und von zwei Gastsängern unterstützt wird. Der eine (2:20) mit stimmhaftem Schreien, meist auf Englisch oder Standarddeutsch, und schließlich der Sänger von Gràb, den legitimen Nachfolgern von Lunar Aurora, mit Black-Metal-Gesang im bairischen Dialekt (2:48). Und ein Refrain wie dieser (3:12) funktioniert halt auch nur im Dialekt.

    Die große Erwartung Lunar Aurora wurde zwar großteils bewusst vermieden, aber mit einem Lied widmeten sie uns doch einen sehr offensichtlichen Gruß der Vergangenheit. War es 2012 noch der „Reng“, so ziehen wir heute durch den „Näbe“. Gemeinsam mit neuerdings vereinzelten Festival-Darbietungen des legendären Hoagascht-Albums ist Dialekt-Black-Metal lebendig wie nie, und es ist wunderschön.

    4. Cryptopsy – An Insatiable Violence

    Über Cryptopsy wurde ja schon alles gesagt. Getragen vom Schlagzeuger griff diese Band nur einmal wirklich daneben, laboriert an den Folgen aber bis heute. Vor allem, weil die damalige Besetzung, vor allem hinsichtlich des Sängers, zwar für den Fehlgriff gedacht war, aber bis heute besteht. Der damals neue zweite Gitarrist hat sich schnell eingelebt und füllt seine Rolle auch alleine längst einwandfrei aus. Der Sänger wurde dagegen für Deathcore geholt und sollte plötzlich Death Metal singen – und das konnte er einfach nicht. Meine Beschwerden dahingehend dürften regelmäßigen Lesern ja durchaus schon aufgefallen sein … Aber ich gestehe ihm eines gern zu, er wollte nicht ersetzt werden, sondern an sich arbeiten, und das hat er getan. Er steigerte sich von Aufnahme zu Aufnahme und ist mittlerweile ein durchaus passabler Death-Metal-Sänger. Der Zyniker in mir würde sagen, dass normalerweise keine 18 Jahre Einlernzeit zugestanden werden, bis jemand seinen Job beherrscht, aber dieser Zyniker durfte sich eh schon seit seinem Einstieg austoben. Der stets aufmunternde und hilfsbereite Familienvater in mir sagt, schau, was mit Fleiß und harter Arbeit alles möglich ist. Vor allem aber liegt der Fokus bei dieser Musik ja sowieso bei den Instrumenten, und die sind wie üblich über alle Zweifel erhaben.

    3. Retromorphosis – Psalmus Mortis

    Schon wieder eine Band mit ihrem Debüt unter den Top 10? Sogar unter den Top 3? Aber ähnlich wie bei Sun After Dark handelt es sich hier keineswegs um Neulinge, tatsächlich besteht diese Band bis auf einen neuen Schlagzeuger exakt aus der letzten Besetzung der legendären Spawn Of Possession. Eine Reunion unter diesem Namen hätte ihnen sicher noch mehr Publicity eingebracht, aber das wollten sie nicht und angesichts ihres Könnens brauchen sie das auch nicht. Der Beispielsong erinnert an Apparition vom letzten Album und lässt sofort ein längeres Stück vermuten. Das trifft zwar zu, wurde aber aus irgendeinem Grund nicht als Albumabschluss gewählt. Sobald die Band einsetzt (0:46) weiß man, was Sache ist. Langsamer, düsterer, bleischwerer Death Metal, der rasch zum bekannten Tech Death wechselt (1:30). Wechseln ist ein gutes Stichwort, Riffs, Tempi und Stimmungen werden hier im Sekundentakt gewechselt, wir wechseln von grandios headbangtauglichem Gestampfe (3:07) zu symphonischem Tech Death (4:41) und gehen zurück zum Headbangen (6:00). Das tiefenlastige Donnergrollen wird nur durchschnitten von aufblitzenden Soli (5:41, 6:19), in denen wir uns erinnern, dass ja auch ein gewisser Christian Münzner dabei ist.

    2. Arkhaaik – Uihtis

    Arkhaaik ist eine Band aus dem früher unter Helvetic Underground Committee, heute Jünger Tumilon bekannten Kreis aus Züricher Musikern, die in wechselnden Besetzungen die für mich heute kreativste Szene im Black Metal bilden. Ungfell sind die wahrscheinlich bekannteste daraus, Arkhaaik die spannendste. Ich verwende ja oft meinen Begriff des „Höhlendeathmetal“ für Bands aus dem Death/Black/Doom-Spektrum, die alle recht ähnlich klingen und Probleme mit guten Riffs und Songwriting haben. Diese Band dagegen passt perfekt zum Begriff und schafft es trotzdem, richtig gute Musik zu machen. Bandkonzept ist die Bronzezeit, die Hingabe dazu ist 100 %. Das heißt zwangsläufig, dass sie in auch in der entsprechenden Sprache singen müssen und sich zu diesem Zweck mit einer Sprachwissenschaftlerin zusammengetan haben, um das rekonstruierte Protoindogermanisch formulieren und aussprechen zu können. Dankenswerterweise haben sie sich auf diesem Album für die Kurzversion der Titel entschieden und nicht die linguistisch korrekte Version mit einem Sammelsurium an Grammatik-/ und Aussprachezeichen (diese gibt’s nur in den Lyrics selbst). Wir hören eine Menge Soundeffekte für die Atmosphäre und eine Basis von Death/Doom Metal (2:14), der immer wieder in absolut tödliche Black Metal Riffs übergeht (4:29) und auf primitives Gehüpfe nicht verzichtet (5:10). Apropos Gehüpfe, Uihtis bedeutet Jagd und wer mir sagt, dass er bei 8:14 nicht in Fell bekleidet ums Lagerfeuer hüpfen will, um den Göttern für den erlegten Hirsch zu danken, der lügt.

    1. Gràb – Kremess

    Es kommt nicht oft vor, dass Musiker in verschiedenen Formationen in meinen Top 10 landen, aber hier haben wir wieder so einen Fall. Gràb habe ich einige Plätze zuvor zu den legitimen Nachfolgern von Lunar Aurora erklärt, und jetzt stehen wir vor dem Problem, dass sie aufgrund der angeschlagenen Gesundheit des Sängers/Bandkopfs nach dem gerade erst erschienenen zweiten Album schon wieder ihr Ende bekanntgaben. Ihr Debüt fand ich sogar noch besser, obwohl dieses damals „nur“ auf Platz 2 landete, aber auch ihr Kremess (= Leichenschmaus, vielleicht von Begräbnis/Begräbnis-Messe) findet direkt in mein Herz. Herz ist ein gutes Stichwort, da man Black Metallern dieses ja nicht unbedingt als Haupteigenschaft nachsagt. Aber wenn sich die Gitarrenmelodie langsam aufbaut, sie in feinsten Black/Doom mündet (1:39) und der Sänger sein Herz ausschüttet (2:18), dann spürt man die Trauer, die in diesem Song steckt. Wunderschön eingesetzte traditionelle Instrumente wie Hackbrett (5:45) tun ihr Übriges, bis man am Ende des Songs von einem völlig transzendenten Heavy-Metal-Solo (9:28) überrascht wird. Und ja, ich behaupte, wenn jemand so singt, wie er spricht, hat das noch eine andere Dimension der Ehrlichkeit, und wenn der Empfänger auch so spricht, ermöglicht das eine Verbundenheit, die ich mit anderer Musik nur selten erreiche. Und nein, es geht hier nicht um den letzten Winter der Frau des Sängers, vielleicht Mutter, vielleicht sogar Kind. Aber wem widmete denn der Sänger dieses Lied, weil ihn sein Abschied so sehr bewegte? Seinem Hund.

    Spotify: https://open.spotify.com/playlist/2OV6IMkYqmTMxZg3Oou4bT?si=RR6Y_oTfT-uTvwceszqWWg

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  • Spezialerwähnung des Jahres

    Linkin Park – From Zero

    Heuer gäbe es einige Kandidaten für die Spezialerwähnung des Jahres, bei genauerer Betrachtung dann aber doch einen ganz klaren. Denn ohne diese Band würde ich euch hier nicht Jahr für Jahr mein Herz ausschütten. Die Rede kann natürlich nur von Linkin Park sein, die mich vor über 20 Jahren in ihren Bann gezogen haben, um mich dann alleine auf die Reise zu schicken. Diese Reise hat uns zweifellos voneinander entfernt, und doch hat mich der Tod von Chester Bennington vor mittlerweile 7 Jahren getroffen. Warum dann ausgerechnet mit einer neuen Sängerin gefühlt die halbe Welt auf ein neues Hybrid Theory hofft, ist eine andere Frage, aber auch ich blieb vom allumfassenden Hype nicht verschont. Und ja, natürlich hilft gutes Marketing und die Nostalgie von uns damaligen Teenagern, aber ehrlicherweise ist den alten und neuen Mitgliedern ein gut gemachtes Album gelungen, dem man den Spaß am Schaffensprozess gern glaubt. Wir finden für jeden etwas, gewohnt poppige Nummern, aber auch einige, die uns zumindest daran erinnern, woher der Metal im Nu Metal kommt. Nicht jedes „perfekte“ Album muss 10 Punkte bekommen, aber doch ist das hier das vielleicht perfekte Album – für diese Band in dieser Konstellation zu dieser Zeit.

    Top 10

    Ich halte mich in den einleitenden Worten zu den diesjährigen Top 10 kurz, weil ich in den Beschreibungen wieder einmal länger ausgeholt habe als geplant. Viel Spaß, danke fürs Zuhören, danke für eure Rückmeldungen. Frohe Weihnachten, ein Hoch auf die Musik, ein Hoch auf die Kunst!

    10. Funeral – Gospel of Bones

    Nach den ersten Tönen war ich bereit, mich von dieser Band zu verabschieden. Die Norweger um den alleine verbliebenen Schlagzeuger haben vor über 30 Jahren den Funeral Doom Metal mitgeprägt, ihm vielleicht den Namen gegeben und nach einigen persönlichen Schicksalsschlägen den mittlerweile achten (!) Sänger hervorgekramt. Einen Opernsänger, der für den gewünschten Bombast sorgen soll. Mein Problem ist, dass dieser Bombast von mir so gar nicht gewünscht wird. Erstaunlicherweise reißen sie das Ruder aber herum und zeigen in den weniger schwülstigen Momenten ein immer noch feines Händchen für Melodien, Melancholie und musikalische Schwermütigkeit.

    9. My Dying Bride – A Mortal Binding

    Ein kurzes Memo an den Sänger der Band und die Verantwortlichen des Labels, die es, während die kleine Tochter besagten Sängers mit Leukämie kämpfte, nicht lassen konnten, ein Album aufzunehmen und damit gleich die vermeintlich authentische Emotion und Trauer der Musik zu bewerben: Nein. Zur Überraschung von absolut niemandem ist das nicht gelungen, auch wenn sich das einige Rezensenten trotzdem einreden wollten. Jetzt vier Jahre später ist seine Tochter wieder gesund und siehe da, die Vocals klingen wieder gut und natürlich, ohne dutzende Spuren übereinander legen zu müssen. Und das hier verlinkte Herzstück des Albums klingt gar so, als hätten sie ein 30 Jahre altes Rezeptbuch ihrer Anfangstage wiedergefunden und es mit heutigen Mitteln nachgekocht. Krachende Riffs, schwere Growls, klagender Gesang, schwebende Gitarrenmelodien und Geige.

    8. Nile – The Underworld Awaits Us All

    Zum 30-jährigen Jubiläum des Bandbestehens wird auf dem ebenso runden 10. Album nicht gekleckert, sondern geklotzt. Die Musik dauert zwar wie üblich wieder fast eine Stunde, aber das Lesen der Liner Notes vielleicht sogar noch länger. Ich empfehle es trotzdem, weil man merkt, mit wie viel Spaß und Ernst gleichzeitig Karl Sanders immer noch bei der Sache ist. Gemeinsam mit Überdrummer Kollias wechseln sie weiterhin zwischen Highspeed-Death und Doom, Brutalität und Atmosphäre, undurchdringlichem Chaos und epischen Melodien. Die neuen gelegentlichen Klargesangssprenkel funktionieren für mich zwar nicht immer, ergänzen das Klangbild aber gut. Und nebenbei haben sie einen neuen Gewinner für ihren längsten Songtitel, der auf Youtube aber nur abgekürzt wiedergegeben werden kann: Chapter for Not Being Hung Upside Down on a Stake in the Underworld and Made to Eat Feces by the Four Apes

    7. 40 Watt Sun – Little Weight

    Seit sich diese Band mit ihrem letzten Album so direkt in meinem Leben verewigt hat, war ich mir nicht sicher, ob ich das neue nüchtern genug einordnen kann und soll. Ich versuche es. Die Gitarren sind hier wieder eine Spur „härter“, der Grundton aber immer noch der gleiche, sehr zurückgenommen, introvertiert und sanft. Diese Musik könnte als melancholisch verstanden werden, wird für mich aber immer von Hoffnung und Zuversicht überstrahlt. Hört euch das gewählte Lied an, kuschelt euch an eure Liebsten, streichelt eure Katze, setzt euch vor den Kamin, schließt eure Augen und vergesst für 10 Minuten alles Schlechte in der Welt.

    https://40wattsunmusic.bandcamp.com/track/the-undivided-truth

    6. Leprous – Melodies of Atonement

    Leprous war sozusagen das Abschiedsgeschenk vom Brutal Assault an mich. Ich kannte sie zwar schon länger vom Namen, aber da meine Zeit für Prog Rock/Metal begrenzt ist, hatte ich nie das Bedürfnis reinzuhören. Für genau solche Fälle gibt es Festivals, und ich gab dieser vermeintlichen kurzhaarigen Boyband eine Chance. Ich war begeistert und konnte meine Augen kaum vom Schlagzeuger nehmen, der mit einer Leichtigkeit durch seine Polyrhythmen ging, dass es eine Freude war. Der Sänger hat eine unfassbare Reichweite, und auch die Musik insgesamt reicht von härterem Metal bis verträumtem Prog. Auf den letzten Alben und auch hier sind sie immer ruhiger geworden, was kein Problem wäre, aber vielleicht haben sie zu viel auf all die fehlgeleiteten Musikkritiker gehört, die technischen Bands gern einmal Technik als vermeintlichen Selbstzweck vorwerfen. Aber wer so spielen kann, der soll auch so spielen, also bitte, lasst den Schlagzeuger wieder spielen!

    5. Hamferð – Men Guðs hond er sterk

    „Aber Gottes Hand ist stark“ ist ein Zitat aus der Radioaufnahme im letzten Lied, in dem der Überlebende eines Unglücks beim Walfang 1915 seine Erinnerungen teilt. Walfang soll hier nicht das Thema sein, wir beschäftigen uns mit einem Konzeptalbum, bei dem die Lieder verschiedene Aspekte einer Tragödie beleuchten, als 14 junge Färöer das Leben verloren, während sie für ihre Familien Nahrung besorgen wollten. Wir hören melodischen Doom/Death, der den Sänger Jón Aldará zum Superstar machte. Im Beispielsong könnte es um eine Frau gehen, die auf die Rückkehrs ihres Partners hofft und weiß, dass dies nie passieren wird. Vielleicht um eine Mutter. Aber ihr müsst nicht färöisch können, um den zentralen Satz dieses Stücks rauszuhören. Ihr müsst das Booklet mit der Übersetzung nicht vor euch liegen haben. Jón Aldará lässt euch den Satz schon finden: Ich will dich verstehen.

    4. Iotunn – Kinship

    Der Aufstieg von eben diesem Jón Aldará ging auch mit einer steigenden Zahl seiner Bands einher, darunter Iotunn, deren Debüt vor 3 Jahren ich noch als mögliches Album des Jahrzehnts bezeichnet habe. Ob das überzogen war, hinterfrage ich seitdem Jahr für Jahr und habe trotzdem noch kein zwingend besseres gefunden. Diese Art von Prog Metal springt einen nicht an, sondern entwickelt sich über geordnete Übergänge und schroffe Breaks, bis man erst in der Nachbetrachtung realisiert, was man da eigentlich alles gehört hat. Der Opener hier ist mit 14 Minuten der längste Song, aber er fühlt sich an wie die Hälfte davon und fährt einfach alles auf, was Metal zu bieten hat. Mit über Blast Beats gelegten dramatischem Klargesang steigt er in schwindelerregende Höhen und mündet am Ende wieder in einem absoluten Jón-Aldará-Highlight.

    3. Perchta – D’Muata

    Was habe ich überlegt, ob ich mir dieses zweite Album der Band wirklich holen soll. Das Debüt hatte außer einer interessanten Grundidee musikalisch nicht viel zu bieten, was ich mir auch damit erklärte, dass die Sängerin als Kopf der Band kein Melodieinstrument spielt und sich zu sehr auf ihren Bassisten verlassen musste. Jetzt hat sie eine Mannschaft aus fähigen Musikern um sich versammelt und damit die vielleicht beeindruckendste Steigerung von einem Album zum nächsten geschafft, die ich je hören durfte. Der Tiroler Dialekt fügt sich gesprochen und gekreischt, gesungen und gestöhnt perfekt in den umgebenden Black Metal ein, aber aus allen kleinen Nischen hat sich die Band auf diesem Album die kleinste geschaffen. Dieses Konzeptalbum dreht sich um die Frau. Frau sein, Mutter sein, Weiblichkeit in allen Facetten. Hättet ihr je Metalsongs über Menstruation, Geburt oder Wehen erwartet? Die Musik dazu ist wirklich gut und für sich selbst absolut hörenswert, aber das Konzept ganz einfach unübertroffen.

    2. Ulcerate – Cutting the Throat of God

    Ulcerate haben nicht nur in 20 Jahren kein einziges schlechtes Album veröffentlicht, nein, sie sind sogar eine der wenigen Bands, die nur immer noch besser wird. Ihr technischer Death Metal wird von Avantgarde bis Post mit allen möglichen Bezeichnungen ergänzt, Einflüsse von Gorguts bis Deathspell Omega werden zitiert, aber am Ende des Tages haben sie einfach ihr eigenes Genre erschafft. Einzelne Songs zu erwähnen ist müßig, ihre Alben sind als einstündige Gesamtkunstwerke zu betrachten, die einem alles abverlangen. In jedem Durchlauf verstecken sich neue Melodien, die man aus der allumfassenden Dissonanz extrahieren muss, erstickt in einem Koloss aus Dunkelheit, eingebettet in eine Schlagzeugdarbietung, die Album für Album zur besten überhaupt zählt.

    1. Vitriol – Suffer & Become

    Ich habe ihr Debüt damals nicht gehört, aber der Name der Band dürfte hängengeblieben sein, denn als er heuer unter kommenden Neuerscheinungen aufschien, hörte ich auf gut Glück rein. Schnell war klar, dass ich beide Alben haben musste, und auf dem neuen haben sie ihre Brachialität, Aggressivität und Kompromisslosigkeit um ein gutes Stück Virtuosität erweitert. Das Album und Meisterstück daraus beginnt mit einer unheilversprechenden dissonanten Melodie, die zu einem schrillen Wespenschwarm wächst (0:45), sich aufbaut (0:55), auftürmt (1:26), und über einen ergießt (1:50), dass jeder Widerstand zwecklos ist (2:01). Das eineinhalbminütige Solo (4:20) ist dann ein eigenes Lied (4:45), ein Kunststück (4:45), eine Kunstform (5:16) für sich und Grund genug für Platz 1 (5:39). Vitriol ist ein alter Name für Schwefelsäure, und vielleicht hat sich keine Band je treffender benannt. Diese Musik ätzt, verkohlt, raucht und hinterlässt schlecht heilende Wunden.

    Spotify: https://open.spotify.com/playlist/4tgGELsMd8sttVOaHBl1ma…

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  • Spezialerwähnung des Jahres

    Jack Frost – New Dawn Fades

    Die Top 10 des Jahres werden wie üblich mit der Spezialerwähnung eingeläutet. Diese geht an eine lokale Band, Jack Frost aus Linz, die nach 30 Jahren ihr Schaffen mit einer EP beendeten. Streng genommen hätten sie heuer nur dieses Jubiläum feiern wollen, aber die Krebserkrankung des Sängers raubte ihm nicht nur seine Stimme, sondern führte auch dazu, dass ihr Jubiläumskonzert zu einem Abschiedskonzert mit einem befreundeten Sänger, Michelle Darkness von End of Green, wurde. Mit diesem nahmen sie auch zwei Songs auf und gaben sie auf diese kleine Abschieds-EP. From Here I Walk Alone war schon auf der 2020er EP (mit dem Original-Sänger alleine) und war auch der Abschlusssong am Konzert. Musikalisch ja an sich schon super, aber mit den Erinnerungen vom Konzert schnürt es mir beim Hören jedes Mal den Hals zusammen. In diesem Sinne: support your local underground! Man weiß ja nie, wer sich davon zu einer jahrzehntelang aktiven Szenelegende entwickelt.

    Top 10

    2023 war für mich das Jahr der zwei Hälften. Die erste Hälfte ist gefühlt 5 Jahre her, und in der zweiten war die ohnehin schon begrenzte Zeit für Musik noch einmal deutlich weniger. Trotzdem landeten am Ende so viele neue Alben in meiner Sammlung wie seit 2016 (!) nicht mehr. Aber bevor ihr glaubt, dass ich jetzt, verheiratet und Papa, altersmilde geworden bin und nicht mehr so entsetzliche Musik von Bands mit entsetzlichen Namen und entsetzlichen Texten höre, kommen wir zur ersten Band: Dying Fetus – Make Them Beg For Death. Noch Fragen? Leider muss ich gestehen, dass sie es in Wahrheit haarscharf doch nicht in die heuer so kompetitiven Top 10 geschafft haben, aber ob ich altersmilde geworden bin, das sehen wir uns jetzt an.

    10. Ahab – The Coral Tombs

    Oh, Carcass konzentrieren sich wieder auf ihre Wurzeln! Das könnte man sich zumindest denken, wenn man die ersten Sekunden des neuen Albums von Ahab hört. Erst wenn der unerwartete Sturm vorbeigezogen ist, segeln wir wieder in ruhigere Gefilde. Es dominiert der Klargesang, der wie eine einsame Möwe über den Schiffbrüchigen schwebt und Hoffnung vermittelt. Aber wir wissen, was unter der Wasseroberfläche wartet: ultratiefe Growls, die einen langsam, ganz langsam in die Tiefe ziehen. So gut die bewährte Formel funktioniert, so bekannt ist sie halt. Und damit reicht The Coral Tombs für mich nicht ganz an die anderen Alben der Band heran. Das soll aber nicht dieses Album schlechtreden, sondern vielmehr zeigen, auf welch durchgängig extrem hohem Niveau sich Ahab seit ihrem Hall-of-Fame-Debüt bewegen.

    9. The Ocean – Holocene

    Wir machen gleich weiter mit der zweiten deutschen Ozean-Band, diesmal aber in Form von (progressivem) Post Metal. Dieser wird hier deutlich ruhiger und Keyboard-lastiger ausgelegt als auf den letzten Alben, und es dauert, bis es zu den ersten Ausbrüchen kommt. Aber das passt, denn die schweren Gitarrenakkorde und das heisere Brüllen wirken umso intensiver, wenn sie aus einem fein gesponnenen Netz aus Melodien und Klargesang hervorbrechen.

    8. Nocte Obducta – Karwoche – Die Sonne der Toten pulsiert

    Die Herausforderung, vor der wir alle stehen, ist es, über Nocte Obducta zu sprechen, ohne das böse N-Wort in den Mund zu nehmen. Ich bemühe mich und konzentriere mich auf die Musik: Diese ist entspannt, erdig und ehrlich. Die Punk-Black-Metaller sind mit dem Punk zurückgefahren und das ergibt ein Album zum gemeinsamen Geschichtenerzählen am Lagerfeuer, eins, das man einfach gern hört. Ihr bestes seit 10 Jahren und vielleicht, nur vielleicht, seit 18 Jahren. Und damit wären wir doch wieder beim N-Wort, das hier natürlich für Nektar steht. Und jetzt hab ichs doch gesagt.

    7. Khanate – To Be Cruel

    Diese Band ist ewig auf meiner Einkaufsliste gestanden, seit der Zeit, als ich meine Fühler Richtung Funeral Doom Metal bis hin zum Drone austreckte und dabei vom Extrem der Schnelle das Extrem der Langsamkeit kennenlernte wollte. Leider waren die ersten Alben der Band damals nicht so leicht erhältlich und so sättigte ich meine Abenteuerlust mit anderen Bands. Dann waren sie auch noch 14 Jahre inaktiv, aber als ich heuer sah, dass sie ein neues Album haben, waren sie schnell wieder in meinem Fokus. Fokus sollte man hier auch mitbringen, um zwischen der minimalistischen Rhythmusabteilung und den tonnenschweren Akkorden so etwas wie zusammenhängende Musik zu entdecken. Aber wer sie entdeckt, wird von den absolut geisteskranken Vocals ohnehin wieder zurück in das schwarze Loch der geistigen Umnachtung geführt. Manche Kommentatoren sprechen vom besten Album der Band. Das kann ich nicht beurteilen, aber es ist das extremste Album meiner an extremer Musik ja nicht gerade armen Sammlung. Hören auf eigene Gefahr.

    6. Cryptopsy – As Gomorrah Burns

    Ich bin ja schon ein bisschen stolz, dass ich den Bassisten kennenlernte, als er gerade zu Cryptopsy stieß und davor außerhalb Québecs so gut wie unbekannt war. Heute spielt er zusätzlich bei Cattle Decapitation und damit in zwei der größeren aktiven Death-Metal-Bands und wir quatschen jedes Mal, wenn wir uns auf Konzerten sehen. Aber es soll ja um die Musik gehen und die ist seit seinem Einstieg und der Rückbesinnung auf Death Metal ein zweischneidiges Schwert, weil ja, alles ist besser als das völlig misslungene Einmalexperiment davor, aber den Sänger, den sie seit damals immer noch als Altlast mitschleppen, mag ich immer noch nicht. Auch die Musik war mir oft zu steril und ideenlos. Hier allerdings bemüht sich der Sänger erstmals wirklich und sein ewig dümmliches Röhren wird manchmal von ganz akzeptablen tiefen Growls unterbrochen. Die hohen Screams sind sogar, ähm, tja, gut. Die Musik strotzt immer noch nicht vor eingängigen, kreativen Ausbrüchen und besteht durchgehend aus technisch hochkomplexem Geknüppel, aber im Beispielsong ab 1:13 passiert etwas Wunderbares. Ein Riff. Ein wirklich guter Riff, der stilistisch und qualitativ auf None So Vile hätte zu hören sein können.

    5. Primordial – How It Ends

    Der Ausstieg eines der beiden Gitarristen, der Albumtitel und der Promotext dazu ließen einige Fans vermuten, dass dies das Abschiedsalbum der Band sein könnte. Das ist noch nicht fix bestätigt, aber schade wäre es, auch wenn dies nicht ihr bestes Album ist. Sie bleiben in ihrer Nische, und das machen sie gut. Hier gehen sie wieder ein bisschen folkiger zur Sache und ich finde teilweise auch wieder blackiger. Die Mitsinghymnen sind seltener, was dem Album guttut, und bis auf ein paar Durchhänger wäre das ein würdiger Abschied. Wir hoffen trotzdem, dass es weitergeht.

    4. Gorod – The Orb

    Wer sich für mein Vier-Strahlen-Konzept des Technical Death Metal interessiert, kann gern privat mehr darüber erfahren; jedenfalls sind Gorod für mich an der Spitze von einem dieser Strahlen. Und das ganz einfach dadurch, dass sie seit Jahren weitgehend abseits der großen Aufmerksamkeit ihr Ding durchziehen und beständig hochqualitative Musik liefern. Ich weiß, Genre-Fremde können das nicht nachvollziehen, aber dieser Überfluss an Noten enthält für mich eine eingängige und in den besten Momenten durchaus emotionale Komponente. Letztere ist in Form der großen Melodien diesmal etwas seltener, aber Aufbau und Solo wie im gewählten Song ab 2:22 bringen ganz einfach die wenigsten Bands im Death Metal zustande.

    3. In Flames – Foregone

    Du entschuidige i kenn di, bist du ned In Flames? Die außerhalb von In Flames stattgefundene In-Flames-Reunion namens The Halo Effect, die es letztes Jahr (zufälligerweise?) ebenfalls auf Platz 3 geschafft hat, hat neben guter Musik noch einen weiteren guten Effekt gehabt: den In Flames unter diesem Namen etwas Feuer unter dem Hintern zu machen. Denn kurz nachdem die neue Super Group ihr Album veröffentlichte und damit auf Tour ging, erschien auch ihr eigenes Album mit zugehöriger Tour. (Fun Fact: Ich habe damit innerhalb einer Woche In Flames, At The Gates und Dark Tranquillity gesehen und meinem 16-jährigen Ich einen absoluten Lebenstraum erfüllt.) Das Thema der vielgeforderten Rückkehr zu den Wurzeln lag also auf der Hand und das wird auf diesem Album teilweise wirklich versucht. Nein, es funktioniert keineswegs immer, aber ich konzentriere mich auf die Schnipsel, in denen es funktioniert. Denn auch wenn es manchmal eine 1:1-Kopie von ATG oder ihnen selbst erfordert, sind einige Songs wirklich gut. Das Titellied ist sogar ihr bester Song seit 18 Jahren, mit – ihr werdet euch an letztes Jahr erinnern können – eingestreutem Versuch eines Göteborger Triolen-Slayer-Beats. Sie sind dem direkten Jahresvergleich mit The Halo Effect um ein paar Wochen aus dem Weg gegangen, hätten ihn aber gar nicht scheuen brauchen. Also ja, wir streichen 15 Jahre, tun so, als ob dazwischen nichts war, und haben jetzt zwei passable In-Flames-Formationen.

    2. Cattle Decapitation – Terrasite

    Irgendwann wird der Absturz kommen, weil keine Band ihr Niveau so lange halten kann. Aber nein, er kommt auch am neuen Album nicht. Ja, sie haben ihr Rezept gefunden, aber sie variieren es jedes Mal genug, um Abnützungserscheinungen vorzubeugen. Im Vergleich zum Vorgänger werden die halbklaren Vocals, für die Travis Ryan berühmt geworden ist, hier zurückgefahren, was definitiv eine gute Entscheidung war. Sie sind ja weiterhin da, aber werden etwas pointierter eingesetzt statt standardmäßig in jedem Song. Die progressiven Elemente sind ebenfalls noch da und auch auf ihre Grind-Wurzeln haben sie nicht ganz vergessen. Das ergibt ein erstaunlich frisches Werk, mit neu gefundener Aggression und einer Message, die von Album zu Album nur noch dringlicher wird. Leider.

    1. Marduk – Memento Mori

    Für Außenstehende ist Marduk ja oft prototypischer Metal: lautes, schnelles, undifferenzierbares Geschrei. Mehr Metal geht doch gar nicht, oder? Sehen wir uns das genauer an: Das Album heißt Memento Mori, es handelt also von Tod und Sterblichkeit. Gastsänger auf dem letzten Song ist LG Petrov von den legendären Entombed. LG Petrov ist seit 2021 tot. Gestorben an Gallengangkarzinom, ein Jahr nach der Diagnose. Alles, was ich dazu herausgefunden habe, deutet darauf hin, dass die Kooperation im Hinblick auf die Unheilbarkeit entstand, damit er sich noch einmal mit einer letzten Botschaft verewigen kann. Und so grüßt uns der tote Petrov mit folgenden Worten: „As you are, we once were. As we are, so shall you be.“ Nein, mehr Metal geht tatsächlich nicht.

    Spotify: https://open.spotify.com/playlist/41jpaSKRTB6TCiKAS8SdBZ…

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  • Spezialerwähnung des Jahres

    40 Watt Sun – Perfect Light

    Weihnachten ist immer auch die Zeit des Wartens. Kinder warten auf ihre Geschenke, ihr wartet auf meine Top 10 und ich warte auf den Scheck von Mark Zuckerberg, weil Gerüchten zufolge meine Top 10 mittlerweile für 50 % des Traffics auf Facebook verantwortlich sind. Zuerst aber die jährliche Spezialerwähnung, die heuer schnell entschieden war. Vielleicht kennt ihr das ja, dass manche Lieder gern als gute Hochzeitslieder bezeichnet werden. Und irgendwann denkt man vielleicht selbst über diese musikalische Kategorie nach. Und vielleicht wird es dann plötzlich real. Und – vielleicht – habt ihr den perfekten Fall, dass ihr euch am Jahresanfang auf ein neues Album einer vertrauten Band freut, die CD zum ersten Mal einlegt und beim ersten Song sich alles nach Hochzeit anfühlt. Nach so einem Jahr kann ich dieses Album dann nicht einer gewöhnlichen Einordnung unterziehen, sondern danke Patrick Walker und 40 Watt Sun für ihre nach so vielen musikalischen Änderungen weit weg vom Metal immer noch einzigartige und berührende Kunst.

    Top 10

    Bevor ich euch jetzt zu meinen Top 10 des Jahr 2022 einlade, darf ich die nachweihnachtliche Stimmung der Dankbarkeit nützen und mich bedanken, dass aus irgendeinem Grund diese Tradition doch so gut ankommt. Ich mache das ja eigentlich nur für mich selbst, weil man halt überall Listen zum Jahresende findet, dann selbst auch damit anfängt und das auf Facebook teilt, wie man es früher halt so getan hat. Und irgendwie habe ich halt weitergemacht und jetzt werde ich tatsächlich regelmäßig von den verschiedensten Menschen darauf angesprochen, aber weiß nie so recht, wie ich reagieren soll. Lasst mich euch sagen, dass ich mich jedes Mal riesig freue und mich zutiefst geschmeichelt und dankbar fühle, es ist ja eigentlich nur ein kleines öffentliches Hobby von mir. Ich werde auf jeden Fall versuchen, euch auch heuer nicht zu enttäuschen, und freue mich wie üblich über Rückmeldung und Kommentare.

    10. Wiegedood – There’s Always Blood At The End Of The Road

    Nach dem Abschluss der Trilogie ihrer ersten Alben durfte man gespannt sein, ob jetzt eine größere musikalische Veränderung anstehen würde. Das ist nicht der Fall, wir bekommen immer noch modernen (Post) Black Metal, der geprägt ist von Gekreische aus der Irrenanstalt und Riffs aus dem Eiskasten. Kalt, schneidend und hypnotisierend legen sich die ewig wiederholten Riffs wie ein grell weißer Schleier über die Ohren. Auf Dauer etwas ermüdend, aber mit jedem Album wieder hörenswert.

    9. Shape Of Despair – Return To The Void

    Funeral Doom gibt es in kratzig und kuschelig. Ich mag beide, und hier haben wir einen ihrer besten Vertreter der kuscheligen Sorte. Kuschelig sollte man hier aber nicht falsch verstehen, das ist immer noch weltvergessen langsam, deprimierend und – für manche – wunderschön. Wir haben hier aber im Gegensatz zu anderen Spielarten eben auch einen abmildernden Teppich aus weiblichem Klargesang und Keyboards, der mir damals den Einstieg in dieses Subgenre erleichtert hat und heute sogar noch prominenter als auf früheren Alben ist.

    8. Cult Of Luna – The Long Road North

    Ich bin noch vergleichsweise kurz im Post Metal, aber Cult Of Luna ist seitdem Stammgast in meinen Top 10. Die Songs bauen sich über Minuten auf und wieder ab, wechseln harte und ruhige Passagen ab und bieten bei jedem Hören Neues. Das ist definitiv keine leichte Kost, aber wer es schafft, sich hinter die meterdicke Wand aus Musik und verzweifeltem Brüllen zu hören, wird belohnt mit feinfühliger, emotionaler Musik.

    7. Psycroptic – Divine Council

    Wenn wir ein neues Album von Psycroptic hören, sind unsere Erwartungen simpel: Riffs, Riffs und Riffs. Und das bekommen wir auch diesmal. Die Flirtereien mit Deathcore sind hinter uns, es gibt technischen, manchmal thrashigen Death Metal, der sich aber nicht in technischen Finessen verliert oder vor lauter Draufhauen auf anspruchsvolle Musik vergisst, sondern die Urtugend des Death Metal hochhält: Aggression.

    6. Ateiggär –Tyrannemord

    Second Wave Black Metal? Immer gerne. Ein Konzeptalbum über die Ermordung von Leo V. in Byzanz? Warum nicht. Basierend auf dem Stück „Leo Armenius“ von Andreas Gryphius? Ich würde es nicht anders wollen. Und das alles in Schweizer Dialekt? Shut up and take my money!

    5. Behemoth – Opvs Contra Natvram

    Wer hätte gedacht, dass Behemoth noch einmal so zurückkommen? Das ist keine rhetorische Frage, sondern sagt mir bitte, ob nur ich hier in meinen Erwartungen so falsch lag. Aber nachdem in den letzten Jahren Pomp und Instagram immer wichtiger wurde, hätte ich einfach nicht gedacht, dass sie noch einmal so ein Brett liefern würden. Klar, das ist immer noch pompös und instagrammable, aber auch richtig guter Black/Death Metal.

    4. A.A. Williams – As The Moon Rests

    Aufmerksame Leser wissen bereits von dem Phänomen, dass Metaller sich immer wieder bei bestimmten nichtmetallischen Singer/Songwritern wiederfinden und dass diese junge Künstlerin für mich einer der hellsten Sterne in dieser ausgesprochen dunklen Musik ist. Sie schafft es, mit ihrer Stimme und sparsamen Instrumentierung eine Atmosphäre aus Resignation und Niedergeschlagenheit zu erschaffen, die aber doch immer ein zentrales Gefühl von Hoffnung und Zufriedenheit vermittelt. Zusätzlich zur bekannten Schwere der Musik kommen hier verzerrte Gitarren, die dem Metal-Gefühl Nachdruck verleihen. Ich denke nicht, dass sie sich irgendwann tatsächlich für Metal entscheidet, aber wir dürfen sehr gespannt auf ihre weiteren Ideen sein.

    3. The Halo Effect – Days Of The Lost

    Wie funktioniert es, dass ich beim ersten Hören dieses Band-Debüts bereits jede einzelne Note kannte? Ganz einfach, die Mitglieder dieser Band sind allesamt ehemalige Mitglieder von In Flames gemeinsam mit dem Sänger von Dark Tranquillity, der bekanntlich das erste In-Flames-Album einsang. Für uns In-Flames-Jünger, deren liebstes Hobby es ist, sich über heutige In Flames aufzuregen, war das Bekanntwerden dieser Band also quasi der heilige Gral, in den wir all unsere Hoffnungen und Träume legten. Nun ist nicht alles Gold, was glänzt, aber wir konzentrieren uns auf den Glanz. Außerdem sind sie alle Profis und gute Songschreiber. Das merkt man spätestens nach den ersten beiden Songs, die wie das ganze Album an neue Dark Tranquillity und In Flames zur Jahrtausendwende erinnern, als sie im dritten Song einen klassischen Göteborger Triolen-Slayer-Beat auspacken und damit uns Old Schoolern freundlich zunicken. Ich bin ein unkomplizierter Mensch, und mein Herz schlägt – zum ausgesprochenen Entsetzen meines Kardiologen – im Göteborger Triolen-Rhythmus. Gib mir, was ich will, und ich stell dich auf mein Jahrespodest.

    2. Deathspell Omega – The Long Defeat

    Auch mit diesem Album beschreiten Deathspell Omega wieder neue Wege, aber diesmal etwas anders, als viele Fans es erwartet und vielleicht erhofft hätten. Es wird nämlich ein bisschen traditioneller. Das soll nicht heißen, dass es nicht immer noch dissonant und psychedelisch zugeht, aber es basiert auf herkömmlicheren Strukturen und ist vielleicht ein Stück zugänglicher. Als Gesamtkünstler veröffentlichen sie hier im Booklet eine Kurzgeschichte, die Grundlage für die Texte bildet. Diese Texte werden diesmal nicht nur vom umstrittenen eigenen Sänger der Band in die Welt gespuckt, sondern auch von den Sängern von Marduk und Mgła. Damit wird das Klangspektrum noch einmal erweitert und bleibt bei aller neu gefundenen Geradlinigkeit doch gewohnt düster und im besten Sinne hässlich.

    1. Origin – Chaosmos

    Fünf Jahre sind seit dem letzten Album von Origin vergangen, und in dieser Zeit hört man sich zwar immer wieder gern durch ihre früheren Sachen, aber man verliert doch ein bisschen den Bezug dazu. Und wenn man Musik wie diese nicht so häufig hört, „weiß“ man zwar noch, wie das klingt und wie brutal das ist, aber theoretische Brutalität ist keine gefühlte Brutalität. Das heißt, bevor man dann beim neuen Album auf Play drückt, „weiß“ man zwar, dass das jetzt hart wird, aber meine Güte, man „fühlt“ es nicht. Aber wenn der erste Song loslegt, wird man schlagartig zurück in die Realität geholt. Die von ihnen als „Riffarps“ bezeichneten Riff-Arpeggios anstelle von Soli von früheren Alben sind zurück, der Bass macht die zweite Gitarre und die Atmosphäre und einige superlangsame Stampfer erschaffen eine nette Dynamik in dem ganzen Chaos(mos). Ich zitiere aus den Dankesworten des Schlagzeugers im Booklet: „Origin is coming back, and I don‘t know if I‘m ready.“

    Und der bekannte Spotify-Service: https://open.spotify.com/playlist/51i3ltu6oK0qgZagHVOjyd…

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  • Spezialerwähnung des Jahres

    Cynic – Ascension Codes

    Heuer kommen Spezialerwähnung des Jahres und vor allem Top 10 besonders spät, weil sich leider alle Bands für möglichst späte Erscheinungstermine entschieden haben, aber wir kriegen das hin. Ich beginne mit Cynic, vielleicht auch, damit ich sie nicht regulär reihen muss: Alles, was Paul Masvidal und Sean Reinert berührten, wurde zu Gold, sagte ich an dieser Stelle schon öfter. Früher allerdings noch im Präsens, denn aufmerksame Beobachter werden sich erinnern, dass Anfang 2020 mit Sean Reinert der Cynic-Schlagzeuger verstorben ist. Zurück bleibt ein Gefühl der Unvollständigkeit, auch weil damit sein unschöner Ausstieg aus der Band unversöhnt geblieben ist. Zum Genie von Cynic gehörte aber auch Sean Malone, der Bassist, der den vielleicht schönsten Nachruf auf seinen langjährigen Bandkollegen geschrieben hat. Zu dieser Zeit wussten wir noch nicht, dass kurz davor auch Malones Mutter gestorben ist und die Isolation in der Pandemie gemeinsam mit Reinerts Tod ihn in eine Depression stürzen sollte. 11 Monate später beging er Suizid. In einem Jahr hat Cynic also beide Seans und die vielleicht beste Rhythmusfraktion des Metal verloren. Der Ersatz von Reinert war insofern einfach, weil er ja schon ausgestiegen ist, trotzdem denke ich, dass sich Reinert in den ruhigen Passagen öfter einmal mehr zurückgenommen hätte, um die Musik wirken zu lassen. Der Ersatz scheint die großen Fußstapfen zu spüren und auf Nummer sicher gehen zu wollen mit möglichst viel, möglichst durchgehend. Malone war schwieriger. Paul Masvidal entschied sich dafür, ihn nicht ersetzen zu versuchen, sondern stattdessen einen Bass-Synthesizer einzusetzen. Schöne Geste zwar, aber musikalisch fragwürdig. Es passt, weil die Musik noch spaciger, verträumter und ambientelastiger wurde als je zuvor und elektronische Elemente stark vertreten sind, aber es klingt fremd und kalt. Das Album hätte vielleicht besser als Soloalbum statt unter dem Namen Cynic gepasst, denn mit den vielen Interludes bleiben nicht viele Songs und das beste an diesen bleiben meist die Erinnerungen, die sie hervorrufen.

    Top 10

    War für euch 2021 auch kein so gutes Jahr? Fühlt es sich nicht irgendwie unvollständig an? Einfach falsch? Als ob etwas fehlen würde? Verzweifelt nicht! Hier sind sie: Die Top 10 als musikalische Reflexion des Jahres sind ja immer auch ein bisschen mit Selbstreflexion verbunden. Ich höre weniger Musik, verfolge sie anders und interagiere anders. Umso mehr freut es mich, wenn ich weiterhin über die oft verrücktesten Zufälle auf neue Bands stoße, und so sind heuer unter den 10 besten Alben ganze 3 Bands, die ich vor einem Jahr noch nicht einmal kannte. Eine gute Quote, die auch ein bisschen den Jahreseindruck verbessert, da 2021 etwas top-heavy ist und lange von zwei überragenden Alben überstrahlt wurde. Die beiden Neuentdeckungen auf 3 und 4 füllten die Lücke dahinter aber auf und machten 2021 schlussendlich zu einem musikalisch sehr interessanten Jahr.

    10. Dornenreich – Du wilde Liebe sei

    Cynic verzichten auf den Bass, Dornenreich verzichten auf das Schlagzeug. Das mag nicht weiter überraschen, aber dass sie nicht ganz darauf verzichten wie in ihren Akustik-Alben, sondern es durch Percussion ersetzen, ist doch interessant. Zumindest teilweise hätte ich es sinnvoll gefunden, um der Musik Struktur, Halt und Zielstrebigkeit zu geben. So bleibt ein gar verkünstlerischtes, vielleicht überambitioniertes Werk. Wir werden später zu einer Band kommen, die ihre Texte wie mit dem Leuchtstift schreibt, um schmerzhaft genau auszudrücken, wie der Inhalt gelesen werden will. Dornenreich schreiben Texte mit dem Leuchtstift, um zu sagen „Seht mich an, ich bin Kunst!“. Dabei entstehen manchmal unfreiwillig komische Bilder, was schade ist, weil die Ideen ihrer Geschichten gar nicht uninteressant sind, ebenso wenig die Musik. Die Violine veredelte die letzten paar Dornenreich-Alben, dieses rettet sie. Als Geigenalbum mit Gedichten, Gitarre und Getrommle ganz gut.

    9. At The Gates – The Nightmare Of Being

    At The Gates sind heute der Musik gewordene Spatz in der Hand; lieber froh sein, dass es sie wieder gibt und sie regelmäßig neue Musik veröffentlichen, und nicht auf Glanztaten ihrer Jugend hoffen. Ihr Schema der drei Post-Reunion-Alben ist immer ziemlich gleich: melodische Riffs, eher weniger einzelne Melodien, Triolen-Slayer-Beats und mal mehr, mal weniger Death Metal. Insofern ist es erfreulich, dass es hier mit Saxophon und Orchester und ein einer gewissen progressiven Ausrichtung doch neue Zutaten zu finden gibt. Vor allem aber ist die Gitarrenarbeit besser als auf den Vorgängern, der Gesang nimmt leider von Album zu Album ab.

    8. Cannibal Corpse – Violence Unimagined

    Niemand „braucht“ ein neues Cannibal-Corpse-Album. Niemand freut sich darauf, ist gespannt darauf oder erwartet es sehnsüchtig. Jeder weiß, wie es klingen wird. Seit unfassbaren 31 Jahren. Unter diesen Umständen Musik zu machen, Kunst zu erschaffen, ist denkbar schwierig und doch schaffen sie es Album für Album. Es gelingt ihnen, weil sie unerschütterlich an sich und ihr Produkt glauben, und ihre Fähigkeiten nach wie vor vorhanden sind. Corpsegrinder ist 51 und klingt als wäre er 21, Alex Webster ist stark wie immer, Mazurkiewicz solide und Neueinsteiger Erik Rutan kennt die Band lange genug, dass er nahtlos anknüpfen kann. Der Platz hier ist zu kurz, um über Begrifflichkeiten wie Kunst versus Konsum zu philosophieren, aber solange ihre Musik so aggressiv und mächtig klingt, ist Philosophie müßig.

    7. Obscura – A Valediction

    Die Rückkehr von Christian Münzner befriedigt nicht nur unser aller Harmoniebedürfnis, sondern sorgt auch für einen neuen Schub in der Gitarrenvirtuosität. Steffen Kummerer kann immer noch nicht growlen, aber es gefällt mir gar nicht schlecht, wenn er jetzt öfter in die heisere Richtung früher At The Gates geht. Das ist übrigens nicht die einzige Verbindung zur Göteborg-Szene, weil der dortige Haus-und-Hof-Produzent Fredrik Nordström auch dieses Album produzierte. Es bleibt aber großteils beim Einfluss auf den sehr klaren, für manche vielleicht zu sauberen Klang, die Musik ist weiterhin klinisch präziser, melodischer Tech Death mit herausragenden Musikern auf allen Positionen und einer gewissen Neigung, zu dick aufzutragen. Einen fetten Abzug in der B-Note gibt es für die wohl absurdesten Linernotes, die ich je gelesen habe, in denen Kummerer aus irgendeinem Grund kleine Minireviews liefert und nicht gerade mit Bescheidenheit glänzt.

    6. Archspire – Bleed The Future

    „Stay Tech” ist ihr Motto, und Tech sind sie geblieben. Das bedeutet aber nicht möglichst komplizierte Takt- und Tempoänderungen, sondern „Stay Tech” heißt hier „Speed Kills”. So simpel das Prinzip sein mag, die Umsetzung ist jedes Mal wieder beeindruckend. Der Höllenritt bietet über durchaus ansprechende Riffs, Halbmelodien und Soli ein überraschend eingängiges Hörerlebnis. Einige ihrer Vorbilder stammen aus dem Hip Hop, und das hört man nicht nur am Gesang und dessen Geschwindigkeit, vor allem aber ist das keineswegs ein Nachteil.

    5. Rivers Of Nihil – The Work

    Rivers Of Nihil haben sich weg vom Deathcore hin zu einem Geheimtipp im Technical Death Metal entwickelt. Nach dem Überraschungserfolg mit dem letzten Album gehen sie jetzt noch weiter in die progressive Richtung und überraschen weiter. Der Death Metal nimmt auf diesem Konzeptalbum erheblich ab, Klargesang und unverzerrte, melodische Gitarren nehmen zu. Das Saxophon bleibt dementsprechend. Das überzeugt nicht alle, ich finde aber, dass die reduzierte Zahl an Death-Metal-Momenten ihre Wucht nur noch steigert. Das Album braucht sicher seine Zeit, belohnt aber mit durchdachter Schönheit und tonnenschwerer Kraft.

    4. Waldgeflüster – Dahoam

    Seit Lunar Aurora auf eine vermutlich göttliche Eingebung hin aus ihrem Ruhestand zurückgekommen sind, um ihr letztes Album „Hoagascht“ als erstes im bairischen Dialekt einzuspielen, hat sich Dialekt-Black-Metal als eine Art Mini-Genre um dieses Meisterwerk gebildet. Diese Band hier war mir bis Ende Oktober völlig unbekannt, aber wenn ich über ein Album namens „Dahoam“ scrolle, schlagen meine Sensoren aus und lassen mich fast ungehört kaufen. Wo Hoagaschts Black Metal warm und sanft war, geht es hier kälter und mit deutlichen Post-Anklängen zu. Die Melodiebögen sind gelungen und der Klargesang funktioniert gut, aber sicher im Gesamtgefüge besser, als er das isoliert tun würde. Der Text ist zwar Unique-Selling-Point, aber gleichzeitig auch einzige Schwachstelle, da er die Botschaft gar so deutlich überbringen will und auf Subtilität und Interpretationsmöglichkeiten verzichtet. Zusätzlich wirkte er auf mich wie auf Hochdeutsch geschrieben und dann in Dialekt übersetzt. Die Linernotes bestätigten mich, der Sänger ist einer jener Eltern, die mit ihren Kindern nur mehr hochdeutsch sprechen, und ließ sich beim Dialekt vom Schlagzeuger helfen. Das hört man, und es führt die gewünschte Natürlichkeit etwas ad absurdum. Das ist aber bitte Kritik auf hohem Niveau in einem Spezialaspekt, die Musik erreicht eine verdiente Topplatzierung. Die Suche nach den legitimen Nachfolgern von Lunar Aurora geht aber weiter, oder?

    3. Gràb – Zeitlang

    Am 23.12. erfuhr ich von der Existenz dieser Band, hörte rein und wusste, dass ich die Top 10 anpassen und damit verschieben werden müsste. Auch diese Band stammt aus Bayern, spielt Black Metal und singt im Dialekt. Damit liegt natürlich wieder der Vergleich zu Lunar Aurora nahe, besonders, da auch diese Band ihren Black Metal oft eher langsam, teilweise fast doomig anlegt. Das machen sie aber nicht so heimelig und gemütlich, sondern grimmig und böse, eben „gràb“ (= grau). Stellenweise wird aber auch unsere „Zeitlang“ (= Sehnsucht) nach Raserei befriedigt, denn wenn sie einen Gang schneller schalten, dann schepperts. Unheimlich dichte Atmosphäre, knurrige Vocals des ehemaligen Sängers von Dark Fortress und manchmal sogar traditionelle Instrumente wie Zither ergeben ein phänomenales Debüt einer Band, die uns hoffentlich noch länger begleiten wird. Die Nachfolger sind gefunden. Album des Jahres in vielen Jahren.

    2. First Fragment – Gloire Éternelle

    Ich kann einen gewissen Stolz nicht verleugnen, wenn ich einige dieser Bands aus Québec, die ich teilweise wirklich schon von Anfang an begleite, „aufwachsen“ sehe. First Fragment konnten mit ihrem Debüt den Hype rechtfertigen und etablieren sich mit diesem zweiten Nachfolger an der Spitze der Szene. Ich hätte zwar kürzere Alben in kürzeren Abständen lieber, aber ich verstehe, dass ihre Musik eine gewisse Erarbeitungszeit und dann auch Länge benötigt. Hier wird nämlich nicht gekleckert, sondern geklotzt. Der Bandkopf ist einer der talentiertesten Gitarristen und hat eine Band aus fast ebenbürtigen Mitstreitern um sich versammelt. Durch den Gesang wird die Musik aggressiv, die instrumentalen Anteile machen aber die Hauptzeit aus und sind sehr verspielt und reinste melodische Reizüberflutung. Die Soli sind unzählbar und absolut atemberaubend. Aber wo Gitarrensoli erwartet werden und Schlagzeugsoli meist eher peinlich sind, kann der Bass den Unterschied ausmachen. Der Bassist, Dominique LaPointe, ist seit Jahren in meinen Top 10 als der Steve DiGiorgio Québecs bekannt und ich freue mich richtig für ihn, weil er hier endlich die perfekte Band gefunden hat. Hier ist sein massives Talent nicht bloßes Zuckerl, sondern wird erwartet und gefördert. Fast 30 Basssoli auf diesem Album sprechen eine deutliche Sprache. Im fantastischen Beispielsong hören wir ab 4:00 nicht nur sein, sondern das überhaupt beste Basssolo. Er zeigt von Anfang an, was er kann, aber ab 4:28 übernimmt er schlichtweg den Song. Solo wird zu Emotion, Emotion wird zu Melodie, Melodie wird zu Hauptthema eines Songs. Brilliant. Album des Jahres, wenn alles mit rechten Dingen zugeht.

    1. Iotunn – Access All Worlds

    Im Jahr der Zufallsfunde steht aber passenderweise eine Neuentdeckung ganz oben. Den Sänger kennen wir von der färöischen Doom/Death-Band Hamferð, der zu dieser dänischen Prog-Band stieß. Gemeinsam öffnete sich ihnen irgendwo eine geheime Inspirationsquelle des Universums. Eine nicht ganz ernst zu nehmende Faustregel des Progs besagt, dass dabei ein Song anders aufhört, als man es zu Beginn erwartet hätte. Mit den ersten Tönen des Songs und Albums könnte man Heavy/Power, aber auch Melodic Death Metal erwarten. Mit 1:01 geht es los, es klingt nach Melodic Death. Dann bei 2:07 das Break, Spannung liegt in der Luft, es baut sich etwas auf, aber wohin geht es? Death Metal? Black Metal? Gothic? 2:22: Der triumphale Refrain beantwortet alle Fragen. Zur Musik, zum Sinn des Lebens, Philosophie, Mathematik, hier liegt der Grund für alles. Das ganze Album spielt mit diesem Prog auf der Basis von Melodic Death, der immer wieder in verschiedene Richtungen ausbricht. Der Sänger, der in seiner Stammband schon vielversprechend war, darf hier alles aufbieten und zeigt neben seinen wütenden Growls und den glasklaren Cleans auch herrlich emotionale Mischvarianten. Die Musiker wissen aber allesamt, was wo gefragt ist, und schalten spielerisch zwischen filigraner Technik und selbstloser Geradlinigkeit um. Damit bleibt Raum für eine Achterbahnfahrt zwischen Euphorie und Verzweiflung, Virtuosität und Headbangen, Träumen und Feiern. Album des Jahres? Diskutieren wir in ein paar Jahren über Album des Jahrzehnts.

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  • Spezialerwähnung des Jahres

    Ich begrüße euch zum ersten Teil unserer musikalischen Jahresrückschau! Die Spezialerwähnung des Jahres passt zu 2020, in dem gefühlt jedes positive Ereignis von einem negativen begleitet wird. Manche sagen, das Beste an 2020 ist neue Musik von System of a Down nach 15 Jahren, aber auch diese kam nur zustande aufgrund eines Eroberungskrieges knapp innerhalb Europas und knapp außerhalb dessen Aufmerksamkeit. Wir sind natürlich nur hier, um über die Musik zu sprechen und die ist gar nicht so schlecht gelungen. Man hört ihr die kurzfristige Entstehung schon an, und es klingt nicht immer ganz fertig, aber das hätte schlechter ausfallen können. Gewohnt hektisch und aggressiv, sogar mit einem klassischen Blast Beat bei 1:10. Der zweite neue Song ist übrigens ganz anders und ruhiger, aber ebenfalls hörenswert.

    Top 10

    Ende 2019 veröffentlichten Cattle Decapitation auf Platz 4 des Jahres ihr Album mit dem Song „Bring Back the Plague“, also ungefähr zu der Zeit, als in China die ersten Fälle von Covid-19 auftraten. Ihre geplante Tournee mit dem Titel „Europandemic“ (kein Scherz) konnten sie dann schon nicht mehr antreten. Aber 2020 war nicht nur das Jahr der Pandemie, sondern auch das Jahr der Verschwörungstheorien, Gerüchte und Halbwahrheiten. Wahrheit? Was ist denn überhaupt Wahrheit? Die Wahrheit kommt jedes Jahr verlässlich in Form meiner Top 10.

    10. Cytotoxin – Nuklearth

    Nanu? Da pushe ich Cytotoxin jedes Jahr in dieser Liste, und kaum schaffen sie mit dem letzten Album so etwas wie einen Durchbruch, legen sie ein weiteres starkes Album nach und schaffen es nur knapp in die besten 10? Die Pandemie hat für viele Bands Aufnahmepläne verschoben, veröffentlicht hat gefühlt nur, wer wirklich fertig war, und damit erschien für mich weniger, aber dafür in höherer Qualität. Aber auch die besten Top 10 der letzten Jahre können den bandtypischen Tech Death, mit ein bisschen Grind und sehr viel Groove, nicht ganz verdrängen. Unter anderem, weil sie ihr Gespür für Melodien noch weiter verbessert haben. Man genieße das Solo ab 4:25 und hoffe, dass diese noch zu quarantänelosen Zeiten veröffentlichte „Festung“ bald nur noch als Erinnerung an damals dient.

    9. Katatonia – City Burials

    Nachdem Katatonia 2017 eine vorläufige Pause angekündigt haben, war auch angesichts einiger Besetzungswechsel nicht ganz klar, ob es bei einer zeitlich begrenzten Pause bleiben würde. Aber sie sind zurück, und es gibt wieder gewohnt guten melancholischen Rock, der mal proggiger, mal eingängiger serviert wird. Das Album ist zwar insgesamt etwas durchwachsen, aber im Opener beweisen sie, dass sie es nicht verlernt haben, Songs zu schreiben. Der dornige Beginn lässt nicht erkennen, worum es sich handelt, der schmeichelnde Pre-Chorus (2:45) zeigt, dass der Song eine Rose ist, die im zuckersüßen Refrain (3:01) endgültig aufblüht.

    8. Akurion – Come Forth To Me

    Der Bassist der bereits genannten Cattle Decapitation ist ja auch bei Cryptopsy tätig und davor in den vielfach vergessenen Neuraxis. Aus dieser Band haben sich er, der Gitarrist und der Schlagzeuger gefunden, um mit dem ehemaligen Sänger von Cryptopsy ein Projekt zu starten. Da der aktuelle Sänger von Cryptopsy der mit Abstand schlechteste ist, ist es schon eine Wohltat, den zweiten und zweitbesten Sänger mit dem Bassisten zu hören, aber es gibt mehr: Im ersten Song gibt es Gastauftritte vom ersten und besten Sänger von Cryptopsy, dem legendären Lord Worm, und vom nicht minder legendären Luc Lemay von Gorguts. Superstar-Alarm sondergleichen, aber obwohl der gebotene Death Metal durchaus gefällig ist, bleibt er doch etwas hinter den (sehr hohen) Erwartungen zurück.

    7. Profanity – Fragments Of Solace

    Wenn sich eine Band seit fast 30 Jahren im Underground hält, kann das zwei Dinge bedeuten: gut, aber nicht gut genug, oder gut, aber durch andere Umstände an der großen Bekanntheit gehindert. Meist heißt es aber zumindest, dass engagierte Leute am Werk sind, die wissen, um was es geht. Letzteres ist hier sicher der Fall, denn der knochentrockene Technical Death stellt aktuelle Sachen von Suffocation aber locker in die Tasche. Apropos, neben vielen anderen bekannten Namen im Album hat auch Terrance Hobbs von ebendiesen Suffocation hier ein Gastsolo beigesteuert.

    6. Odious Mortem – Synesthesia

    Was wir gerade über den Underground gelernt haben, trifft auch hier zu. Eine Band, die die zweite Welle des Technical Death Metal mitgeformt hat, war dann nicht aktiv genug, um die Lorbeeren einzuheimsen. Umso größer war die Freude, als sie plötzlich ihr erstes Album nach 13 Jahren ankündigten. Unberührt von diversen Genreentwicklungen ziehen sie weiterhin ihr Ding durch und liefern supertechnischen Death Metal, der im Gegensatz zu vielen Kollegen auch die nötige Aggression nicht vermissen lässt und in den Soli durch melodisch-virtuose Gustostückerl garniert wird.

    Persönlicher Fun Fact: Synästhesie bedeutet das gemeinsame Wahrnehmen zweier eigentlich getrennter Sinne durch manche Menschen, Also beispielsweise, dass ein Geruch ein Geräusch auslöst oder eine raue Oberfläche eine Farbe. Ich habe das auch, und in bestimmten Situationen, z. B. in der Dunkelheit kurz vor dem Einschlafen sehe ich gewisse, meist eher kratzige Geräusche als geometrische Muster. Diese Muster sehen ziemlich genauso aus wie die auf dem Cover dieses Albums.

    5. The Ocean – Phanerozoic II: Mesozoic | Cenozoic

    The Ocean haben sich in den vergangenen 20 Jahren vom Geheimtipp zu einer der bekanntesten Band im Post Metal hochgespielt. Das gelang ihnen durch einen kreativen Mix aus Härte und Melodie, verschiedenen, oft ungewöhnlichen Instrumenten und interessanten inhaltlichen Themen. Diesmal geht es vordergründig wieder um das klassische Metal-Thema der Erdzeitalter. Nach dem ersten Teil des Phanerozoikums folgen hier Teil 2 und 3. Damit sind wir in der Gegenwart angekommen, das Thema für das nächste Album bleibt also spannend. Die Dinosaurier sterben bekanntlich am Ende der Kreidezeit aus, also bei 9:51. Und ja, der Sänger von Platz 9 taucht hier noch einmal auf.

    4. Nocte Obducta – Irrlicht (Es schlägt dem Mond ein kaltes Herz)

    Jedes Album seit der Rückkehr von ihrer kurzen Pause wird in irgendeiner Form als Rückbesinnung auf die goldenen Nektar-Alben angepriesen. Hier trifft das aber tatsächlich zu. Waren die letzten Werke mal punkiger, mal avantgardistischer, mal rotziger, so wird hier alles in liebgewonnener Manier kombiniert. Wieder tiefer im Black Metal verwurzelt, aber nicht roh und ungestüm, sondern warm, harmonisch und durchdacht.

    3. Ulcerate – Stare Into Death And Be Still

    Technical Death Metal teilt sich für mich in zwei Spielarten: Technik durch Rhythmus und Technik durch Geschwindigkeit. Erstere wird derzeit angeführt von Gorod, die wir hier schon wiederholt auf Platz 1 hatten. Für zweitere stelle ich hiermit Ulcerate an die Spitze. Als langjähriger Geheimtipp gaben sie dem Genre wichtige Impulse, wie sie Atmosphäre und Einflüsse von Post Metal einfließen ließen, aber trotzdem immer mit einer einzigartigen Wucht vorgingen. Die Musik insgesamt ist zweifellos brutal, aber es lohnt sich, genauer hinzuhören. Der Gesang ist in seiner Monotonie fast schon emotional, und instrumental gibt es kaum besseres, hochtechnisch, unheimlich präzise und facettenreich.

    2. A.A. Williams – Forever Blue

    Wir kommen zum größten musikalischen Kontrast zwischen zwei Plätzen, seit ich diese Listen führe. Letztes Jahr gab ich euch zur EP den Tipp, auf das folgende Debüt-Album zu achten, um rechtzeitig zum zwangsläufig erwarteten Hype dabei zu sein. Der Hype ist real, der Hype ist da, seid ihr es? Keine Angst, ihr könnt noch zusteigen. Es gibt dieses Phänomen von Künstlern, die keinen Metal machen, aber vorrangig von Metallern gehört werden. Ich kann dieses Phänomen nicht allgemein erklären, aber diese junge Dame überzeugt mit ihrer schlichten, traurigen Musik und einer fabelhaften Stimme. Leise zu singen ist ja nicht einfach, und mit welcher Kontrolle sie dabei die Höhen trifft, ist hörenswert. Das Vibrato, die brüchig-emotionale Stimme, das ist so gewollt und das wirkt. Auch das Songwriting, die Songstrukturen, die Reihenfolge der Songs, sogar die Gastauftritte, das ist angenehm durchdacht. Da sie zuletzt noch mit Cult of Luna auf Tour war, machen hier zwei der Sänger mit. Der schreiende macht diesen Song ab 2:26 zu Post Metal, Fans nicht schreiender Musik beachten bitte nur die Musik davor, die dem Rest des Albums entspricht. Aber wieder schön mitgedacht, dreimal singt sie die Zeilen ab 3:30 alleine fertig, beim vierten Mal brüllt er mit. Das wirkt.

    1. Enslaved – Utgard

    Enslaved ist mit Black Metal, Prog und konstant neuen Ideen eine klassische Band, die ich immer wieder gerne höre, aber nicht zu meinen Lieblingsbands zählt. Warum ist sie also auf Platz 1? Weil sie vermeidet, was die meisten Bands besonders im progressiven Bereich mitschleppen: Ballast. Man hört, wie sich die Musiker bei jeder Idee gefragt haben: „brauchen wir das?“. Wie mit einem Skalpell haben sie dann alles entfernt, was die Musik nicht besser gemacht hat. Zurück bleibt das zweitkürzeste Album der Bandgeschichte und das – für diese Band, zu diesem Zeitpunkt, unter diesen Umständen, mit diesen Ideen – perfekte Album.

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  • Spezialerwähnung des Jahres

    Commandment – Brutal Carnage

    Ich weiß, ihr wartet sehnsüchtig auf meine Top 10, aber wir hatten ja noch nicht einmal die Spezialerwähnung des Jahres. Diese geht an eine Band, deren einziges Album heuer 10-jähriges Jubiläum feiert. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll die Band unter Insidern als vielversprechendste österreichische Death-Metal-Band seit Pungent Stench gegolten haben. Ich bin ja objektiv und enthalte mich einer Wertung, aber wenn ich mir das so anhöre, kann ich schon verstehen, warum!

    Der Gitarrist haut einem die Old School-Riffs nur so um die Ohren und ich weiß zwar nicht, was den Sänger so verärgert hat, aber meine Güte, dem möchte ich so lieber nicht begegnen. Interessant auch, dass der Bassist anscheinend eher aus einer nichtmetallischen Ecke kommt und diesen Einfluss mitbringt. Und hören wir uns die Hammer-Passage bei 0:43 bis 0:53 an. Die wird von 1:47 bis 1:58 wiederholt, aber achtet doch einmal darauf, wie der Schlagzeuger subtil die Double Bass aus dem ersten Mal durch Snare Drum tauscht und umgekehrt. Wie lange er daran wohl getüftelt haben muss, und niemandem ist es wahrscheinlich je aufgefallen. Bis heute! Nehmen wir uns einen Moment, das und das gesamte Album zu würdigen. Restexemplare noch verfügbar, was man so hört! Auch auf Spotify!

    Top 10

    Weihnachten? Check. Silvester? Check. Was fehlt noch von 2019? Richtig, die schönste Familientradition von allen, die Top 10 eures liebsten Influencers. Musikalisch hatten wir schon bessere Jahre, vor allem fehlt zumindest ein klarer Sieger, eigentlich sogar die oberen drei Plätze. Aber hilft ja nichts, bringen wir es hinter uns.

    Eternity’s End – Unyielding

    Eigentlich hätte so ein schwaches Jahr gar keine zusätzlichen Spezialerwähnungen erwähnt, aber diese Band vereint Gitarrenvirtuosen samt und sonders, dem von meinen persönlichen Lieblingen First Fragment bis hin zu Allzweckwaffe Christian Münzner. Sie haben sich aber nicht für Death Metal zusammengetan, sondern, um ihrer heimlichen Leidenschaft Speed/Power Metal mit flirrenden Gitarrenmelodien nachzugehen. Das klingt für einen Song ohrenbetäubend fantastisch. Für die nächsten drei immer noch ohrenbetäubend irrwitzig. Danach versucht man der Taubheit seiner Ohren mit einem gespitzten Bleistift nachzuhelfen. Aber diese kurze Zeit vor der Reizüberflutung, hach.

    In Flames – I, The Mask

    Und auch In Flames haben wieder ein neues Album veröffentlicht, und ich habe wieder der Treue meines Ichs von vor 14 Jahren zu der Band gleichen Namens von vor 25 Jahren nachgegeben. Diese hat mit der heutigen Anders-Fridén-Musik-und-Merchandise-GmbH nichts mehr zu tun und ich werde mir diese auch nicht länger schönreden. Manche Songs erinnern an die Jahrtausendwende, aber das genügt schon seit damals nicht mehr.

    10. A.A. Williams – A.A. Williams

    Als Konzert-Vorband vorab reingehört, und während sie stimmungsmäßig perfekt zum Konzert passten, fallen sie hier genretechnisch etwas aus der Reihe. Das Plural-Sie sollte eigentlich ein Singular-Sie sein, sie ist Singer/Songwriterin und verbindet Soap & Skin mit Antimatter und 40 Watt Sun. Das erfüllt so ziemlich alle Bedingungen, die ich bei Kuscheldüstermusik brauche. Wer jetzt reinhört, ist Teil des Hypes, noch bevor 2020 das erste volle Album fertig ist. Wie jede Künstlerin, die etwas auf sich hält, singt auch sie ein großartiges Jolene-Cover, dringende Empfehlung auch dazu!

    9. Vltimas – Something Wicked Marches In

    Allstar-Band mit dem Gitarristen von Mayhem, Schlagzeuger von Cryptopsy und einem gewissen David Vincent von Morbid Angel. Das klingt aber nicht chaotisch und willkürlich, sondern nach vernünftig durcharrangierter Musik, in der jeder dieser Ausnahmekönner seine Vorlieben einbringen darf. Herrlich schmutziger, schwarzer Death Metal, ungefähr.

    8. Batushka – Panihida

    Ich erspare euch nicht nur die korrekten kyrillischen Band- und Albumnamen, sondern auch das Drama, das diese Senkrechtstarter ereilt hat. Bis die Gerichte etwas anderes entscheiden, erachten ich und die überwältigende Mehrheit der Fans diese Band um den damaligen Gitarristen als die eigentlichen Nachfolger. Der Mix aus orthodoxem Kirchenflair samt Chören und Kirchenslawisch mit brachialem und dennoch melodischem Black Metal ist hier fast so gut wie auf dem Debüt gelungen, einzelne Abzüge sind durch die schwierigen Umstände und gestressten Aufnahmebedingungen entschuldigt. Die Musik hat gesprochen, die Menschen haben geantwortet. Das Recht – Entschuldigung – möge der Politik folgen.

    7. Mayhem – Daemon

    Die berüchtigsten aller Norwegen-Blacker weigern sich weiterhin, musikalische Vorhersehbarkeit einkehren zu lassen. War die Esoteric Warfare noch recht nahe an der fantastischen Ordo Ad Chao, so meinen viele Fans, hier wieder Spuren der überragenden De Mysteriis Dom. Sathanas zu erkennen. In Wahrheit ist das ein bisschen von nichts und nichts von allem. Trotzdem vermag auch einer der besten Extrem-Vokalisten nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Album insgesamt doch etwas unspektakulärer als erhofft ausfällt. Etwas dreckiger, fieser und gemeiner hätte mir das noch besser gefallen.

    6. Equipoise – Demiurgus

    Der Mastermind von Inferi hat bekanntlich ein Label gegründet, um die musikalische Weltherrschaft zu übernehmen, und man muss akzeptieren, dass ihm das gelungen ist. Der Chef von Equipoise hier spielt mit diesem in einer gemeinsamen Nebenband, und der Gitarrist von First Fragment hat den Keyboarder von den vorhin gehörten Eternity’s End mitgenommen. Ich erspare euch weiteres Namedropping, aber die Reizüberflutung ist ähnlich wie bei Eternity’s End nur mit Growls. Sprich unerträglich für die meisten, aber unerschöpflich für manche. Die Soli sind im Booklet zwischen dem Text fein säuberlich notiert, im gewählten Song gibt es davon gezählte 24 von allen Gitarristen mit Gästen, Bassist und Keyboarder. Mehr ist mehr, für weniger gibt’s andere.

    5. Esoteric – A Pyrrhic Existence

    Das war euch zu viel und zu schnell? Ideal, es folgt das 100%ige exakte Gegenteil. Funeral Doom/Death Metal der ultraminimalistischen Sorte. Ein Blick auf die Trackliste verrät ein kurzes Zwischenspiel von 5 Minuten, und das sollte schon alles erklären. Insgesamt bringen es die sechs Songs auf weit mehr als eineinhalb Stunden und diese verlangen einem alles ab. Hier passiert nichts und das extrem langsam. Die schnellen bis sogar sehr schnellen Passagen vergehen genauso plötzlich, wie sie gekommen sind, und sorgen nicht für Auflockerung, sondern Beklemmung. Beklemmung aber gibt es nicht besser. Ein Plädoyer für die Kunst.

    4. Cattle Decapitation – Death Atlas

    Bevor Vegetarier hip und Klimaschutz modern wurden, versuchte diese Band mit ihren eindringlichen Botschaften Gehör zu finden. Gehör fanden sie und 2012 fanden sie ein Monumentalwerk der Extraklasse. Die Art, wie sie technischen Death mit dreckigem Grind verbanden und scheußlich-grandiose Halbklargrowls darüber legten, katapultierte sie nicht nur auf meinen ersten Platz des Jahres. Problem ist bloß, dass sie aus dieser selbstgeschaffenen Nische nicht mehr so recht rausfinden. Das letzte Album war eine kalkulierte Wiederholung der Hit-Formel, aber ein Schritt in eine neue Richtung gelingt ihnen auch hier nicht. Es ist auch zugegeben schwierig, diese Formel sinnvoll genug zu verändern und doch nicht zu viel. Sie sehen sich vorsichtig um, ergänzen die Vocals um ein paar neue Facetten und vertrauen ansonsten auf ihr Rezept. In einem schwach besetzten Jahr reicht das für die Top 10.

    3. Nile – Vile Nilotic Rites

    Wir treten das Gaspedal wieder durch und begrüßen die erfolgreichsten Botschafter ägyptischer Mythologie in- und außerhalb Ägyptens zurück. Der langjährige Gitarrist, Sänger und Songwriter ist weg, und die Fragen, wie sie das verkraften würden, waren groß. Der Kopf der Band funktioniert aber noch, hat zwei sehr fähige Sänger an Bass und Gitarre geholt und kann sich weiterhin auf einen der besten Schlagzeuger im Business verlassen. Nein, die Band hat tatsächlich so gut wie nichts ihrer Schlagkraft eingebüßt und das wohl beste Album seit Those Whom The Gods Detest veröffentlicht. Ja, der orientalische Einfluss ist heute mehr Gimmick als ernsthafter Teil ihrer Musik, aber das ist er schon seit Jahren, und solange die Musik besten Tech Death mit bestem Doom verbindet, ist die Welt in Ordnung. Ihre besten Alben sind absolute Genre-Klassiker und ihre durchschnittlicheren Alben knacken leicht jede Jahresliste. Eigenschaft einer Band an der Spitze.

    2. Deathspell Omega – The Furnaces Of Palingenesia

    Darf ich vorstellen? Black Metal. Ihr werdet Gerüchte gehört haben von Melodien und Eingängigkeit, von Fortschritt und Weltoffenheit. Doch irret nicht, meine Freunde! Irret nicht! Das einzige, was Deathspell Omega hier öffnen, ist ein pechschwarzer Mahlstrom der Verneinung. Die Melodien sind dissonant und die Takte ungerade, die Texte theologisch und die Strukturen verworren. Nein, Hörerfreundlicheit ist ihre Sache nicht. Und das ist gut so.

    1. Cult Of Luna – A Dawn To Fear

    „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche, die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang“, lässt Shakespeare seinen Romeo sagen. „Tandaradei sang die Nachtigall lieblich“ lässt wiederum Walther von der Vogelweide seinen Verliebten sagen. Ich sage, die Nachtigall ist ein Kult des Mondes und ihr Lied ist die Lerche. Diese Lerche fürchtet den Morgen, fürchtet ihren nächtlichen Widerpart und Partner, fürchtet und singt ihr schönstes Lied für diese Furcht. Das Lied der Nachtigall ist ein trauriges Lied.

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  • Spezialerwähnung des Jahres

    Ho Ho Hoffentlich seid ihr bereit für Musik?! Der Nikolaus bringt euch nämlich meine heurigen Special Mentions of the Year!

    Diese stehen heuer unter dem Thema „Game Of Thrones“, und der Thron, um den es geht, ist der von Necrophagist erschaffene, definierte und seit ihrem glanzlosen Abgang vakante Death-Metal-Thron neoklassischer Prägung. Kandidaten dafür waren vor allem Obscura, Beyond Creation oder besonders Spawn Of Possession. Nun haben sich leider Letztere vor einem Jahr aufgelöst, und ihren Abschiedspost kommentierte der Sänger, Gitarrist und Mastermind von Inferi neben einigen Dankensworten mit einer simplen Ansage: „Give me your throne.“ Diesen Anspruch auf den Thron untermauerte er auch gleich mit einer Generalmobilmachung, holte einige hochtalentierte Bands in sein selbst gegründetes Label und ließ diese den Markt testen. Leider ging die Bestellung mit diesen CDs verloren, und obwohl er sie mir dankenswerterweise gratis noch einmal schickte, kamen sie nicht rechtzeitig für die letztjährigen Top 10. Da sie aber viel zu gut sind, um einfach ignoriert zu werden, sehen wir uns diese Alben sowie das aktuelle des Chefs persönlich hier an:

    Inanimate Existence – Underneath A Melting Sky

    Eine der Bands, die Kalifornien als neuen Hotspot im Death Metal mitetablierten. Den Klargesang haben sie zum Glück wieder aufgegeben, dieses Experiment ist nicht geglückt, und so kehren sie zurück zu vielschichtigem, melodischem Technical Death Metal. Die Keyboards sind wenn dann dezent gehalten und kleistern nicht alles in einem Soundteppich zu.

    Bei 2:34 bekommen wir einen schönen, groovigen Part serviert, mit netten Slaps am Bass. Ab 3:00 werden Tempo, Takt und Rhythmus öfter gewechselt, als man es in einer halben Minute für möglich halten würde, der größere Wechsel kommt aber bei 3:33. Der Song nimmt Tempo und Lautstärke, aber keine Spannung raus, baut die Melodie langsam auf und geht daraus in ein langgezogenes Solo über.

    Virulent Depravity – Fruit Of The Poisoned Tree

    Dieser Band lieh der Labelchef sein Gitarrenspiel, und das hört man auch. Wenn wir vorhin von vielschichtiger Musik gesprochen haben, dann gehen uns hier die Steigerungsformen aus. Hier passiert alles und alles gleichzeitig. Riffs verschiedenster Tech-Death-Prägung werden uns in einem endlosen Strom um die Ohren geworfen, mal ohrenschmeichelnd harmonisch, dann abstoßend dissonant, getrennt durch unablässige Tempo- und Rhythmuswechsel. Diese Art der Musik macht den ungeübten Hörer im besten Fall nervös, im schlimmsten Fall führt sie direkt in die Epilepsie.

    Nach 6 Sekunden Ruhe vor dem Sturm bricht ebendieser los, aber bei 1:00 können wir uns an einen eingängigen und supermelodischen Riff halten. Dieser führt bei 1:30 in ein ebenso geniales Solo, aber das wars dann auch schon wieder mit den Verschnaufpausen. Der Wechsel zwischen superschnellem Chaos und superschnellem Solo – sprich superschnelles Chaos ohne Gesang –, der darauf folgt, ist beispielhaft für diese Band, aber zugegebenermaßen nicht die leichteste Kost.

    Dark Matter Secret – Perfect World Creation

    Russland ist ja für alles Mögliche bekannt, aber nicht unbedingt für Death Metal. Umso erfreulicher ist diese Band, die im dünn besetzten Vorjahr einen Podestplatz geholt hätte. Um die Frage nach dem Thron zu beantworten, müssen wir aber davor eine andere Frage beantworten: braucht der Death-Metal-Thron Death Metal Gesang? Braucht er überhaupt Gesang? Es gibt nämlich viele (selbsternannte) Nachfolger, Erben und Kopien von Necrophagist, diese drei Moskauer wählen aber sicher die interessanteste Herangehensweise. Musikalisch ist das sehr ähnlich an ihren Vorbildern mit eingängigen Riffs, supermelodischen Soli und allgemein genug Raum für die Musik, bleibt dabei aber ausschließlich instrumental. Wer also damit zurecht kommt, und auch ich bin üblicherweise kein großer Fan von reinen Instrumental-Bands, der bekommt hier allerfeinste Kost serviert.

    Wir schweben durch den Weltraum und erkennen, wie sich aus den verschiedenen Geräuschbruchstücken Musik formt. Kaum haben wir das realisiert, sind wir bei 1:08 schon im ersten Solo. Durch die Fülle an Musik fällt der fehlende Gesang nicht auf und gibt stattdessen den Blick auf eben die Musik frei, und bei Highspeed-Riffs wie 2:29 brauchen wir auch gar keinen Gesang. Vor allem, wenn danach das nächste ihrer großartigen Gitarrensoli wartet, die diese Band so besonders auszeichnen. 3:34: Riffgewitter, das aber trotz der Tempowechsel stets durchschaubar bleibt und dann vom Blitz durchzuckt wird, der das nächste Solo ist. Wir nützen das Break bei 5:43, um uns für das Finale zu rüsten. Ja, das ist die obere Klasse im zeitgenössischen Death Metal.

    Inferi – Revenant

    Wir schlagen jetzt die Brücke zum aktuellen Jahrgang und zur Hauptband des erwähnten umtriebigsten Protagonisten im Death Metal. Musikalisch bewegen wir uns wieder im Bereich des hochmelodischen, teilweise fast ins symphonische gehenden Technical Death Metal. Ein technisches Schaustück sondergleichen, in dem sich ein virtuoses Gustostückerl ans nächste reiht. Aber obwohl ich selbst nicht jedes neue TDM-Album mit Necrophagist vergleichen will, ist es hier angebracht, weil er sich ja selber ins Spiel um den Thron gebracht hat. Leider muss man hier doch einen deutlichen Klassenunterschied konstatieren, nicht technisch, aber wenn man sich ansieht, wie Necrophagist Songs geschrieben und die Soli darin verwebt haben, ist das einfach eine andere Liga. Auch Spawn Of Possession gingen zwar brutaler, hektischer und verworrener zu Werke, aber immer noch deutlich schlüssiger und flüssiger als Inferi. Ich bin zwar wirklich großer Fan von technischer Angeberei, aber Necrophagist, SOP oder auch Obscura und Beyond Creation schaffen es trotzdem, ihre Musik atmen zu lassen und all den Noten Raum zur Entfaltung zu geben. Hier erstickt man beinahe im Überfluss der – für sich – großartigen Ideen.

    Wir hören zu Beginn nicht nur ein (meist) dezentes Keyboard, sondern auch einen erfreulicherweise recht eigenständigen Bass. Bei 0:26 hören wir die vielleicht eingängigste Melodie des Albums, das sich sonst leider nicht durch große Hörerfreundlichkeit auszeichnet. 2:16 nimmt einige Schichten Musik weg und lässt kurz Luft holen. Auch bei den Soli wie 2:36 oder 4:20 kann man sich immerhin auf eine einzelne Sache konzentrieren, und diese zeigt dann ja auch das immense Talent der Band. Talent wird allerdings nicht weniger, nur weil man es sinnvoll einsetzt, wir dürfen also durchaus gespannt auf zukünftige Musik sein.

    Fazit? Der Thron ist weiter unbesetzt. Während das bei Game Of Thrones vermutlich demokratisch, ruhig und friedlich geklärt wird, muss ich den Death-Metal-Thron ganz alleine entscheiden. Sonst ist eigentlich alles gleich. Nur die Nackedeis fehlen hier, das stimmt. Ganz streng genommen habe ich auch keine Ahnung von GoT.

    Was es aber bei beiden gibt, sind superspannende Cliffhanger, denn wir wissen jetzt ja eigentlich nur, dass es für den selbsternannten Thronfolger nicht gereicht hat. 2018 war aber viel besser als 2017 und besonders für Death Metal ein fantastisches Jahr, also wer weiß, vielleicht konnte in der Zwischenzeit eine andere Band den Thron erklimmen? Wir sehen uns in wenigen Wochen wieder und finden es gemeinsam raus!

    Top 10

    Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester nützen, um entspannt meine Top 10 des Jahres hören? Klingt gut? Na dann, frohe Weihnachten, gutes neues Jahr und viel Spaß beim Hören, Entdecken und Mitfiebern!

    10. Hamferð – Támsins Likam

    Diese noch recht junge Band hatte ich schon mit ihrem Debüt in meinen Top 10, und auch ihr zweites Album schafft es gerade noch. Gerne hätte ich zwar auch die im weitesten Sinne Genre-Kollegen Evoken hier gehabt, aber die etwas schnelleren Hamferð sind eh zugänglicher. Schnell ist aber relativ, wir sind hier immerhin im Death/Doom der episch-melodischen Sorte und somit meistens langsam bis sehr langsam. Die Texte sind weiterhin vollständig auf Färöisch gehalten, was auch zum Wohle der Eigenständigkeit nur helfen kann.

    Der schwere Beginn zeigt, wohin die Reise geht. Langsam und melancholisch, aber nicht völlig zäh und schwarz. 2:37 bricht die Melancholie auf, der herzzerreißende Gesang geht ins Klagende über und steht einsam über der zitternden Melodie. Bei 3:23 bricht die Klage wunderbar kraftlos ab und lässt einen geschwächt zurückfallen. Dabei geht die Verzweiflung zwar kurz in Wut über, kehrt aber schnell wieder zum Klageteil zurück.

    9. Augury – Illusive Golden Age

    Eine der besten Bands aus der unerschöpflichen Québec-Szene hat uns viel zu lange warten lassen. Was hab ich mich gefreut, als voriges Jahr bekannt wurde, dass auch sie Teil des schnell wachsenden Labels wurden, von dem wir vor wenigen Wochen in den Special Mentions so viel hörten. Die neun Jahre Wartezeit hört man aber nicht, ihr Progressive Death Metal ist immer noch sofort erkennbar.

    Dieser Song zeigt trotz aller Härte die Verspieltheit, die diese Band berühmt gemacht hat und auf diesem Album etwas fehlt. Die Growls sind hier nicht ganz so brutal und der Bass (ja, eh dieser Bassist, der überall spielt) tänzelt fein unter dem Chaos. Auch bei einer hübschen Melodie, die wie von 1:40 in 2:15 übergeht, ist der Bass der rote Faden. 3:05 dreht sich nur mehr um ihn, erst bei 3:43 wirds ruhig, und alle Instrumente spielen gleichberechtigt zusammen. Passagen wie 4:43 sind auf diesem Album zu viel und oft zu hektisch ausgefallen, Soli wie 5:16 zu selten. Aber wenn, dann gewohnt großartig.

    8 b. Cryptopsy – The Book Of Suffering – Tome II

    Wie schon den ersten Teil ihrer geplanten EP-Trilogie verstecke ich sie wieder auf einem Halbplatz. Ebenfalls aus Montréal, ist die Band eine der längstdienenden und bekanntesten Legenden dieser an Legenden nicht armen Region.

    Auf diesem musikalischen Level ist der neue Sänger (ja, ich werde ihn weiterhin den neuen nennen) weiterhin der mit Respektabstand schlechteste, und er versucht es auch gar nicht zu verschleiern. Wir quälen uns aber mit gewohnter stoischer Ruhe durch sein monotones Röhren und hören, dass die Band an sich immer noch zu den Big Dogs im Business zählt. Getragen vor allem durch die vielleicht stärkste Rhythmus-Fraktion, die von Anfang an zeigt, warum der Bass in dieser Band so wichtig ist. Die Gitarrenarbeit nämlich ist solide, aber heutzutage auch nicht mehr, dementsprechend das Solo bei 2:52. Der Sänger hat immerhin eine große Lunge und macht mit seinem 25-Sekunden-Schrei bei 3:54 in quantitativer Hinsicht beinahe dem allseits vermissten Lord Worm Konkurrenz. Nur quantitativ. Und nur beinahe.

    8. Wiegedood – De Doden Hebben Het Goed III

    Mit ihrem Debüt wurden sie schlagartig berühmt, jetzt dürfen wir gespannt sein, wie es nach dem Abschluss ihrer Trilogie mit den ehemaligen Shooting Stars weitergeht. Gut möglich, dass die Mitglieder mit ihren zahlreichen früheren Bands weitermachen und diese Band als Projekt sein lassen, ich hoffe aber, dass sie auch diese Band fortsetzen. Neuer Wind dürfte ihnen aber guttun, denn so grandios ihre Neuinterpretation von brachialem Black Metal mit Post-Metal-Einschlag auch war, so ist doch ein wenig die Luft raus.

    Albumbeginn: Ein Schrei und der beste Riff des Albums. Das kennen wir schon, und ja, es funktioniert wieder, funktioniert immer. Immer funktioniert es auch, ein Vier-Takt-Schema auf drei Takte zu kürzen, das erzeugt eine wunderbare, zuerst nicht ganz greifbare Unruhe. Ein kleines Solo bei 2:28 lockert den Sturm auf. 4:03 stammt direkt aus dem Black-Metal-Lehrbuch, Break und ein monotoner Tremolo-Riff in der Distanz. Dann ab 5:04 mit Blast Beat und fantastischen Vocals, die wir sonst höchstens von Mayhem erwarten dürfen.

    7. Primordial – Exile Amongst The Ruins

    Seit ihrem Durchbruch haben Jedermanns Lieblings-Iren nicht nur ihren ganz eigenen Sound zwischen Folk/Celtic und Black Metal gefunden, sondern sich auch zu einer der großen Konsens-Bands im gesamten Metal entwickelt.

    Ich habe diesen Song gewählt, obwohl er keineswegs repräsentativ für die ganze Musik ist, aber dafür, dass sie immer noch manchmal neue Pfade probieren. Geplant als instrumentales Zwischenstück, hat es sich der Sänger nicht nehmen lassen ab 1:40 trotzdem mitzumachen. Von 2:47 weg mit der ganzen Bandstärke, aber sonst passiert nicht viel im klassischen Sinn. Ein ruhiges, melancholisches Zurückblicken auf alles, was man anders machen hätte können. Grandiose Nummer. In der Bonus-CD auch verfügbar als eigentlich geplantes Instrumental. Außerdem eines der wenigen Alben, bei denen sich die Bonus-CD auszahlt, mit zusätzlich zwei Coverversionen von alten irischen Volksliedern.

    6. Rivers of Nihil – Where Owls Know My Name

    Seit Jahren beobachten wir diese Band, ob sie ihr Talent endlich in eine kompakte Form gießen. Ihr letztes Album war vielversprechend und das aktuelle schließlich das erste, welches auch den Weg in meinen Besitz fand. Als spannender Mix aus vielleicht Fallujah und Psycroptic finden sich Technik, Atmosphäre und Anklänge von Post Metal in ihrem Death Metal.

    Der Hauptriff ist zwar höchst simpel, aber großartig, ich kann nichts dagegen machen. Böse stampfend verschieben sie die offenen Anschläge zwischen dem Palm Muting herum und zeigen, dass sogar im Tech Death manchmal weniger mehr ist. 1:07 ist zwar schneller, fühlt sich aber nicht so an, und bleibt super eingängig. 2:43 klingt, als ob hier das ruhige Gitarrensolo kommt, aber stattdessen kommt nach den ersten Vorstelltönen bei 3:23 zuerst ein Saxophonsolo, weil seit wenigen Jahren Saxophon unbedingtes Muss jeder Band ist, die etwas auf sich hält und sich mit Prog schmücken möchte. Hier funktioniert es aber gut, ungezwungen und bei 4:48 sogar über einer schnellen Passage. Sie mögen von einem fehlerhaft geführten Leben singen, haben es aber ganz ausgezeichnet vertont.

    5. Obscura – Diluvium

    Aus den vielen Bands, die sich auf Necrophagist als Paten berufen, steht diese sogar in mehr oder weniger direkter personeller Nachfolge. Nach dem großen Split vor einigen Jahren, haben sie zwar schon wieder den Lead-Gitarristen verloren, aber auch der jetzige macht seine Sache ganz ausgezeichnet und hilft der Band, ihren eigenen Sound weiterzuführen.

    Dieser Sound steht für Technik und den für mich unguten Zwang, mit dem Vocoder nach Cynic klingen zu wollen. Hier zuerst einmal nichts davon, und bei 0:47 und spätestens 1:11 wird klar, dass wir es mit einem klassischen, aber für diese Band eher ungewöhnlicheren Death-Metal-Stampfer zu tun haben. 1:59 streut altbekannte Gitarrenlicks darüber, aber der Song bleibt langsam. Das Break bei 3:05 führt über ein kleines Basssolo in 3:32 und ein Gitarrensolo. Etwas längere Soli dann noch bei 4:26 und 5:29, um die Technikfans zufrieden zu stellen.

    4. The Ocean – Phanerozoic I: Palaeozoic

    Analog zu Death Metal könnte man sagen, dass seit dem Ende von Isis auch im Post Metal der Thron unbesetzt ist. Um dessen Nachbesetzung sollen sich aber andere kümmern, jedenfalls ist The Ocean sicher eine der spannendsten Bands in diesem Bereich.

    Und was wäre spannender als Post Metal gemeinsam mit dem Klargesang von Jonas Renkse, seines Zeichens Sänger der derzeit (offiziell nur) pausierenden Katatonia? Zunächst aber ein ruhiges Intro mit Cello, und ab 2:13 bringt er die schwebende Melancholie seiner Hauptband bis zu 3:16 und einem zurückhaltend mächtigen Refrain. Ab 5:10 wird er von den regulären harschen Vocals der Band unterstützt und ab 6:12 abgelöst, was auch mit einem deutlichen Stimmungswechsel einhergeht. Ab 8:53 und noch mehr 9:10 dann zusätzlich der Klargesang des regulären Sängers, der beides macht.

    3. Beyond Creation – Algorythm

    Eine der jüngeren Bands aus Montréal, die sich aber mit einem fantastischen Debüt unmittelbar in die Notizbücher der aufmerksamen Beobachter gespielt haben. Ihr Nachfolger hat sie endgültig als einen der heißesten Namen im aktuellen Tech Death etabliert, da kommt das oft entscheidende dritte Album gerade recht, sich weiterzuentwickeln und zu zeigen, dass der Weg zum Thron auch über sie führt.

    Für den ungeübten Hörer ist es womöglich schwierig, hier alles gleichzeitig zu erfassen, weil es sich im Prinzip um ein einziges Highlight-Tape technischen Könnens handelt. Wir teilen den Song in zwei Hälften und hören in der ersten die klassischen, melodischen, aber schnellen und teils brutalen Riffs, die mit dem Bass und dem Gesang um unsere Aufmerksamkeit kämpfen. Das Break bei 2:54 läutet die instrumentale Hälfte des Songs ein, die es uns erlaubt, uns etwas mehr darauf zu konzentrieren, was hier eigentlich alles passiert. Zum Beispiel gleich bei 3:23 eines ihrer Trademark-Soli des neuen Bassisten.

    2. King Goat – Debt Of Aeons

    Die beste Entdeckung dieses Jahres! Zwar schon ihr zweites Album, aber noch wenig bekannt, weckte die Bezeichnung Progressive Doom Metal mein Interesse. Einmal reingehört, und ich war sofort hellauf begeistert davon. Doom ist ja nicht bekannt für progressive Experimente und so, wie ich mir nichts darunter vorstellen konnte, so schwer ist es auch zu beschreiben. Wie Candlemass mit Primordial und Tool, und das kann voll daneben oder eben wie hier voll aufgehen.

    Wir beginnen eher flott, aber normal für Epic Doom. Hören wir wie bei 0:37 der Triolen-Rhythmus in einen geraden übergeht? Vermutlich nicht, weil da der Sänger seinen Mund öffnet und den Raum mit Regenbogen füllt. Was für eine Stimme. Wie die Regenbogenseifenblasenblumen von 2:08 bei 2:23 vom besten Riff des Jahres durchschnitten werden. Wie wiederum dieser sich ab 2:40 mit diesem göttlichen Refrain abwechselt. Aber dann das Break, 3:52, es wird ruhig, unser bisheriges Beobachten der Wechsel von Triolen auf Achtel erweitern wir begeistert auf die Wechsel zwischen 5/8- auf 6/8-Takten. Wie schön und ruhig das dahinfließt. Der sanft streichelnde Gesang dazu. Aber irgendwas baut sich hier doch auf? Es wird dichter, lauter, mehr. Wieso schreit er denn plötzlich? Was passiert hier? Ist das der gleiche Sänger? Wieso hören wir plötzlich Black Metal? Was passiert hier? Was ist hier passiert? Der angeraute Klargesang zum Abschied ab 5:30 klingt auf einmal wie ein fieser Trick. Ein Künstler. Ein Künstler mit Künstlern. Von unbekannt auf Platz 1 geht doch nicht, dachte ich noch, aber beinahe wär das tatsächlich der völlig verdiente Fall geworden.

    1. Gorod – Æthra

    Aber dann ereignet sich Historisches live vor unseren Augen! Zum ersten Mal, seit ich das hier mache, wiederholt nämlich eine Band ihren Jahrestriumph. 2015 dachte ich, es sei dem insgesamt eher schwächeren Jahr geschuldet, und so haben sie sich nie angefühlt wie eine Lieblingsband. Aber heuer war ich bei einem Konzert von ihnen und hab realisiert, dass ich jedes Album von ihnen habe, quer durch Österreich zu Konzerten fahre und sie schon wieder am Album des Jahres anklopfen. Schlussendlich haben sie es also geholt, und zwar verdient, weil ihre Musik einfach in direkter Verbindung zur Ausschüttung von Glückshormonen steht.

    So viele Bands schütten uns stattdessen zu mit Ideen, mit Technik, mit Effekten, aber wenn wir schon die ganze Zeit vom Thron reden, das haben Necrophagist so nicht gemacht und auch Death ganz bestimmt nicht. Im Sinne des Namedroppings schlage ich zur Beschreibung eine Mischung aus Necrophagist und Cynic vor. Als ob sich Cynic nicht weg vom Death Metal, sondern hin entwickelt hätten. Technisch, aber mit genug Luft zum Atmen, jazzig, aber nicht hektisch, melodisch, aber nicht belanglos und mit Klargesang experimentierend, aber nicht erzwungen. Und der Sänger hat Kunstgeschichte studiert und schreibt hier ein Konzeptalbum zu volkstümlichen Geschichten über den Mond in verschiedenen Kulturen. Nein, mehr Metal geht nicht.

    All diese Merkmale hören wir im letzten Song des Albums vereint, der melodisch-schneidende Beginn, das rhythmische Break bei 1:41. Wie sich der Song ab 2:05 aufbaut, epischer wird, der Gesang diesen klaren Einschlag bekommt und schließlich das alles bei 2:57 in dieses gottgleiche Solo mündet. Dieses geht nahtlos in den nächsten Riff über, da sie auch für diese häufig Tapping verwenden und die Übergänge zwischen Solo und Riff dadurch so wunderbar fließend werden.

    Fazit: Am Thron spricht man französisch! Das wäre an sich keine Überraschung, aber es geht nicht um Québec, sondern tatsächlich um Frankreich. Zumindest einmal, bis First Fragment ihr zweites Album im 10-Jahres-Rhythmus herausbringen …

    PS: Ein großer Teil meiner Fangemeinschaft hat mich im Sinne des einfacheren Hörens dieser Liste gebeten, diese doch auch auf Spotify zusammenzustellen. Sehr gerne:

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  • Spezialerwähnung des Jahres

    Cannibal Corpse – Red Before Black

    Die Anfragen zu den Top 10 häufen sich und wie immer läuten wir sie ein mit der Spezialerwähnung des Jahres. Dafür machen wir heuer einen kleinen Ausflug in die Finanzwelt, in der Währungen ja früher an den Goldpreis gekoppelt waren, der sogenannte Goldstandard. Der Goldstandard im Death Metal ist und bleibt Cannibal Corpse. Unbeeinflusst von all den Bitcoin-Wellen und Tulpenblasen dieser Welt machen sie einfach seit 30 Jahren ihr Ding, bringen alle paar Jahre ein neues Album, also den aktuellen Wechselkurs heraus und legen damit die zu erreichende Latte für alle anderen Bands kontinuierlich ein Stückchen höher. Im Beispielsong (und fantastisch schlechten Video) hören wir eines dieser beunruhigenden, langsamen Intros mit diesen mächtigen Growls. Bei 1:13 wird das Tempo schlagartig erhöht und wir finden uns inmitten eines klassischen CC-Gemetzels wieder, nichts Besonderes, nichts Neues, aber ganz ehrlich, das haben sie ja auch gar nicht nötig. Der Refrain (2:03) endet mit einer grandiosen Zeile, der ich hiermit höchstes künftiges Hashtag-Potential attestiere. #accepttheviolence

    Top 10

    Viele sympathische Bands wollte ich heuer vorstellen, wie die seit der Reunion hyperaktiven Nocte Obducta oder Cavalera Conspiracy mit der Überraschung des Jahres, aber Qualität schlägt Sympathie. Qualität war heuer aber eher rar gesät und ohne klare Nr. 1 musste diese im Ausschlussverfahren ermittelt werden. Weil auch Iced Earth erstaunlich knapp gescheitert sind, haben wir in diesem Jahr leider kein einziges Album in den Top 10, das nur Klargesang bietet, wie das sonst üblicherweise schon der Fall ist. War keine Absicht aber vielleicht genügen euch die paar Beispiele in denen er zum Teil eingesetzt wird, ansonsten halt eher mit Vorsicht genießen. #accepttheviolence

    10. Dying Fetus – Wrong One To Fuck With

    Manchmal schlendere ich durch die Stadt und erwische mich bei dem Gedanken, dass ich doch eigentlich ein ganz normales, funktionierendes Mitglied der Gesellschaft bin. Dann fällt mir ein, dass ich Bands mag mit Namen wie Dying Fetus und Songs wie Kill Your Mother/Rape Your Dog. Dann muss ich schmunzeln. Das neue Album schlägt in die gleiche Kerbe einer Band, die sich und anderen nichts mehr beweisen muss und somit tun kann was sie will.

    Wir hören z. B., wie sie bei 2:35 zeigen, dass sie auch technisch immer noch zu den besseren Bands da draußen gehören, oder bei 3:39, wie sie diesen Riff über eine Minute lang variieren. Schließlich steigen sie bei 4:32 auf die Bremse und zeigen bis zum Schluss diesen berühmten Groove, den sie wie wenige andere Bands draufhaben.

    9. Der Weg Einer Freiheit – Finisterre

    Studenten-Black-Metal wird diese Band, die erstmals in dieser Liste vertreten ist, von geneigten Traditionalisten und Elitisten gern abfällig genannt, weil sie halt auf viele der gängigen Klischees verzichtet und einen recht eingängigen, melodischen (Post) Black Metal spielt. Hauptgrund für die gute Platzierung ist selbstverständlich das Intro aus Marlen Haushofers „Die Wand“ (leider hier weggeschnitten) obwohl der Text dann mit solchen Meisterwerken oder auch nur Genrekollegen bei Weitem nicht mithalten kann.

    Um und Auf der Musik selbst sind die langgezogenen Melodiebögen an der Gitarre, üblicherweise im Kontrast zu den ohne Unterlass dahin hämmernden Blast Beats. Abwechslung ergibt sich z. B. aus Übergängen von Blast Beats in Achteln zu Triolen und dem damit einhergehenden, übergangslosen Tempowechsel bei 0:47. Paradebeispiel für die Band dann in der Passage ab 3:22 mit ihren ewig langen Melodien im Tremolo Picking mit anschließender abrupter Entschleunigung (5:06) und seltenem Klargesang.

    8. Au-Dessus – End Of Chapter

    Mgła und Konsorten haben mit ihrer Art, Black Metal zu spielen und darzustellen eine Lawine losgetreten und seitdem sieht halt jede Band auf der Bühne gleich aus. Natürlich werden auch die Songs nur mehr römisch durchnummeriert, in diesem Fall sogar als Fortsetzung an die vorhergehende Debüt-EP, sprich Song Nr. 1 trägt hier den Namen VI. Na gut.

    Diese Litauer haben das Rad wahrlich nicht neu erfunden, machen ihre Sache aber nicht schlecht. Sehr aggressiver, abwechslungsreicher Post Black Metal, der hier recht langsam und bedrohlich losgeht und zwar ab 1:30 Tempo und Intensität steigert, aber erst bei 2:14 zeigt, was an Intensität möglich ist. Kaum erträgliche, gequälte Schreie bis zu dem Break bei 3:09, das das Tempo herausnimmt und als Ruhe vor dem Sturm (4:44) das Album auf den Höhepunkt zusteuern lässt.

    7. Wiegedood – De Doden Hebben Het Goed II

    Die Toten haben es immer noch gut. Zwei Jahre nach ihrem spektakulären Debüt legen sie den zweiten Teil der geplanten Trilogie vor. Name ist gleich, ebenso Artwork und Musik. Im Gegensatz zum Vorgänger mit seinem grandiosen Opening Riff gehen sie die Sache hier etwas vertrackter an.

    Hier im zweiten Song hören wir ein klar gespieltes Intro, wie wir sie bereits kennen, und ab 1:00 die bekannten langsamen Gitarren, bei denen jede Mitte und Tiefe zugunsten der Höhen herausgenommen wurde, bis es so richtig wehtut. Auch, dass einzelne Riffs so lange wiederholt werden, bis man den Verstand verliert, kennen wir bereits. Ab 4:21 geht das Intro dann sozusagen dem Ende zu. Wir hören klar gespielte, simple Akkorde, die viermal wiederholt werden. Wir wissen, dass sie bei 4:51 aufs Gaspedal drücken werden und können uns dementsprechend vorbereiten. Aber auch bei einem Flugzeugstart weiß man, dass es jetzt dann schnell wird und wird trotzdem in den Sitz gedrückt. So ähnlich funktioniert Wiegedood’scher Black Metal. Vielleicht zusätzlich mit dem kleinen Unterschied, dass man währenddessen den Kopf aus dem Fenster hält und einem dabei der eisige Fahrtwind die Augen aus den Höhlen schabt. Dass erst ab 5:29 wirklich gesungen wird, bekommt man da schon gar nicht mehr mit. Kleine Breaks wie 6:10 oder 7:55 reißen einen kurz aus der dröhnenden Lethargie, aber nur um die Wachheit brachial zu bestrafen. Vielleicht hört bei 8:16 zur Abwechslung der Blast Beat auf. Ich weiß es nicht. Ich habe Kopfschmerzen. Und ja, ich weiß. Ihr auch.

    6. Ne Obliviscaris – Urn

    Um Traditionalisten und Elitisten wieder zu ärgern, könnten wir auch diese Band als Black Metal bezeichnen, aber das wär dann doch zu viel des Guten. Sie werden manchmal auch als Opeth des Black Metal beschrieben und das kommt der Sache im Sinne eines Progressive Extreme Metals schon näher. Offensichtlichstes Alleinstellungsmerkmal der Band ist der sehr prominente Gebrauch der Violine, die sehr oft den melodietragenden Aspekt der Musik übernimmt.

    Wir hören melodischen Death/Black Metal, der so in Ausschnitten durchaus auch von Opeth stammen könnte, bis bei 1:07 die Geige erstmals kurz auftaucht und auch der Klargesang zu den Blasts bei 2:12 jeden Vergleich zu den Schweden hinfällig macht. Interessant wird’s beim Gitarrensolo ab 3:44, welches das Solieren nicht wie andere Bands mit der zweiten Gitarre oder einem Keyboard teilt, sondern sich hier eben mit der Violine abwechselt. Mit der Akustikgitarre bei 4:36 wird es dann ruhig; Bass, Schlagzeug und Klargesang steigen der Reihe nach dazu, aber erst die Geige führt die Musik bei 5:42 wieder zurück zu voller Lautstärke und übernimmt dabei wieder zusätzlich zu den zwei Rhythmusgitarren den Part einer Leadgitarre.

    5. Funeralium – Of Throes And Blight

    Nach einem kleinen Qualitätssprung kommen wir zu einer Kunstform, die vielen (für immer) fremd ist, Funeral Doom Metal. Dieses Genre bedeutet nicht einfach nur langsam, sondern extrem langsam und gibt es in einer schönen, melodischen, melancholisch-depressiven Variante und in einer düsteren, verzweifelt-depressiven Variante mit mehr Aspekten aus Death und Black Metal. Die Band hier gehört zur zweiten Kategorie und stellt einen der abstoßendsten Vertreter daraus dar. Diese Art der Kunst ist ganz einfach nur sehr schwer verdaulich, was allein schon an der (auch der Langsamkeit geschuldeten) Länge der Songs liegt. Das Album kommt als Doppel-CD zu mehr als 90 Minuten daher, und der kürzeste Song dauert neuneinhalb Minuten. Selbst dieser wäre dementsprechend schwer nahezubringen, deshalb war ich so frei und – weil’s dann auch schon egal ist – stelle euch den längsten Song vor, der mit fast 33 Minuten länger dauert als unser heuriges Nr.-1-Album.

    Wenig überraschend hören wir dann auch erst nach 6:08 Minuten und ein paar Variationen des ersten Riffs einen minimalen Themenwechsel. 12:53 könnte direkt schön sein mit seiner sanften, klaren Melodie, wenn, ja, wenn dieser Typ nicht alles Leid der Welt ins Mikro kotzen würde. Wir wissen, dass wir in dieser Musikrichtung auf die kleinen Dinge hören müssen und so fällt uns auf, dass er bei 14:26 seine Stimme von Verzweiflung auf Wut umschaltet. Bei 16:30 haben wir die Hälfte überstanden, vielleicht weckt uns der abgründige Schrei, das Tempo wohl eher nicht. Oft wird ein Thema mit den unendlichen Wiederholungen variiert und z. B. klar und verzerrt gespielt. So wiederholt auch 22:46 das vorhergehende Thema klar und ruhig und mit dem Sprechgesang geradezu entspannend und stellt damit die letzte Ruhepause dar, bevor einen die abschließenden paar Minuten weiter in einen undurchdringlichen Strudel aus Schwärze hinabziehen.

    4. Origin – Unparalleled Universe

    Technical Death Metal ist eine weitere Kunstform, die ebenfalls vielen fremd bleibt, aber gleichzeitig das exakte Gegenteil des gerade gehörten. Dieses Genre bedeutet nicht einfach nur schnell, sondern extrem schnell und gibt es in einer schönen, melodischen Variante geprägt durch Bands wie Necrophagist und in einer hochtechnischen, komplexen Variante, für die auch diese Band hier Pionierarbeit geleistet hat. Zwar sind sie mittlerweile ein bisschen hörerfreundlicher als noch zu Zeiten ihrer Früh- und Mittelphase, aber immer noch denkbar kopfschmerzinduzierend.

    Nach schön hektischem Beginn hören wir bei 0:40 einen Breakdown, um durchzuatmen und uns zu orientieren, bevor man weiter nach Belieben hin und her gestoßen wird. Gitarristen stehen üblicherweise im Rampenlicht, aber hier sind alle drei, Gitarrist, Schlagzeuger und Bassist unter den jeweils besten ihrer Zunft, und jeder darf das auch zu seiner Zeit zeigen. Der Bassist ist bei 2:11 an der Reihe und gibt dem Gitarristen und dem Rest der Band vor, was zu spielen ist.

    3. Enslaved – E

    Schreiben dick und fett „M“ auf das Album und nennen es „E“. Verrückte Norweger … Der Beginn der Liste war recht Black-Metal-lastig, und dorthin führt uns diese Band wieder (ein bisschen) zurück. Die Bezeichnung „Pink Floyd des Black Metal“ lässt uns aber schon vermuten, dass klassischer Black Metal in dieser Band schon seit Jahren im Abnehmen begriffen ist. Offensichtlichste Frage zu diesem mit Spannung erwarteten Album war natürlich der Ersatz des Keyboarders, der auch den mittlerweile prägenden Klargesang beisteuerte, was ein völlig anderes Klangbild vermuten lassen konnte. Aber auch der neue Mann besitzt eine ausgezeichnete, sehr klare Gesangsstimme, der vielleicht nur noch ein wenig die emotionale Komponente fehlt.

    Der gewählte Song hat abgesehen vom Keifgesang mit Black Metal aber absolut nichts mehr zu tun, und wie um das zu unterstreichen, hören wir bei 2:13 die vorsichtige Vorstellung des Saxophons, das hier (und vielleicht in Zukunft öfter?) einen Gastauftritt hat. Bei 3:31 darf es dann sogar ein fantastisches Solo spielen, das mit seiner gefühlvollen Wehmut unter die Haut geht. Den vorhin erwähnten neuen Klargesang hören wir in kurzen Passagen ab 4:39 und dann ab 7:24 gemeinsam mit dem Saxophon in einem verträumten Outro.

    2. Cytotoxin – Gammageddon

    Jetzt denkt ihr natürlich, dass ich schon rein arbeitsbedingt eine Band mit so einem Namen in die Top 3 geben muss, aber das ist ein Irrtum. Bevorzugtes lyrisches Thema der Band ist nämlich nicht Zellbiologie, sondern Technische Physik, genauer gesagt Atomphysik. Sie bezeichnen sich selbst als Chernobyl Death Metal und haben damit eine thematische Nische im Death Metal für sich besetzt. Musikalisch spielen sie technischen Brutal Death. Oder vielleicht brutalen Technical Death? Oder vielleicht Deathgrind? Von allem ein bisschen und von allem das Beste.

    Nach einem stampfenden Beginn kommen wir bei 0:47 in den Genuss eines ersten Solos und schließlich bei 1:12 zu einem dieser absolut gnadenlosen Grooves, für den diese Band bekannt ist. Spätestens das zweite Solo (2:47) macht deutlich, dass die Deutschen hier noch mehr Fokus auf Technik legen und den Groove diesmal etwas zurücknehmen. Wenn sie uns aber dafür Riffs wie 3:58 um die Ohren schleudern, soll es mir recht sein. Und der Slam bei 4:28 sollte dann auch alle Brutal Deather besänftigen, das atmosphärische Solo ab 5:47 wieder die Techniker.

    1. Archspire – Relentless Mutation

    Am Rande der Legalität agiert diese Band, mit ihrem per Ausschlussverfahren ermittelten Album des Jahres 2017. Es handelt sich aber um Death, nicht Black Metal und somit nicht um tatsächlich strafrechtlich Relevantes, sondern eher um gesellschaftspolitische, moralische Fragen. Darf man so schnell spielen? Nur weil man es kann? Und darf man es dann so schamlos zeigen? Bei den Instrumentalisten, die allesamt höllisch schnell spielen, versteh ich das ja noch einigermaßen, aber beim Sänger nicht. Anscheinend war ein amerikanischer Rapper sein Vorbild, und er wollte das mit Growls verbinden. Sprechen kann jeder, also kann sich unter Gesang jeder etwas (anderes) vorstellen, aber mir fehlt die allein schon kognitive Vorstellung, wie das hier funktionieren soll.

    Grundprämisse für diese Musik ist, dass alles, was passiert, ultraschnell passiert, deshalb nur ein paar Dinge, die herausstechen. Das erste von ca. 25 Soli bei 0:43 tut das noch gar nicht so, aber das Break bei 1:52 dann umso mehr. Wer es bis hier durchgehalten hat, könnte sich angesichts der klaren Melodien, der jazzigen Bassläufe und Schlagzeugparts fragen, ob die Band jetzt auf Prog macht und das Ärgste vielleicht überstanden ist. Nun, der Hammer, der bei 2:41 auf eure hoffnungsvollen Köpfchen niederrauscht, sollte euch recht schnell vom Gegenteil überzeugen. Spätestens die absolute Reizüberflutung bei 3:05 lässt euch die Haut vom Gesicht schmelzen und uns vermuten, dass das Cover keine fantasievolle Zeichnung war, sondern eine Fotodokumentation des ersten Probehörers.

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  • Spezialerwähnung des Jahres

    Mourning Beloveth – Rust and Bone

    Die Wahl ist vorbei, Facebook leert sich von all den tiefgründigen Diskussionen, Schulterklopfern und wechselseitigen Weltuntergangsszenarien etc., die wir alle zur Genüge kennen und lieben gelernt haben. Aber womit diese Leere füllen? Verzweifelt nicht! Die Top 10 sind so gut wie fertig und werden wie immer eröffnet durch die Sondererwähnung des Jahres.

    Diese bekommt heuer eine Band, deren neues Album im Jänner erscheinen hätte sollen, dann aber doch schon im Dezember des Vorjahres erhältlich war und somit offiziell unter 2015 geführt wird. Dort wäre es wohl auf einem Medaillenplatz gelandet und ist damit viel zu gut, um hier durch den Rost zu fallen, noch dazu da dieses Jahr zwar prädestiniert für Doom Metal gewesen wäre, dabei aber kaum welchen bietet. Diese Band spielt ganz klassischen Doom/Death Metal, dessen tonnenschweres Fundament aus Riffs und Growls mit verträumt schwebenden Melodien in Gitarre und Gesang verwoben wird. Ein vermeintlich einfaches Rezept, hier vereint im Übergang der zerbrechlichen Sanftheit (6:47) zu der erwähnten schweren Langsamkeit (8:04) und schließlich sogar einem seltenen Ausbruch (12:13), der auf den Death Metal im Doom/Death verweist. Oder wir hören wir auf das sich durch den Anfangsteil des Liedes hindurch ständig wiederholende „Nothing happens“. Reinste Wehmut.

    Als besonderes Extra hier ein Stück für diejenigen unter uns, die sich variabel auf Growls, zu langsame, zu schnelle oder zu verzerrte Musik ausreden, um nicht mit mir über Musik reden zu müssen. Ein rein akustisches Stück, ausschließlich Klargesang, das noch dazu Irland-Interessierten gefallen dürfte, die darunter mehr als schnödes St.-Patrick’s-Day-Besäufnis verstehen. Fast genau 100 Jahre nach dem irischen Osteraufstand handelt dieses Lied genau davon und vertont die letzte Strophe des wunderschönen Gedichtes „Easter, 1916“ von W. B. Yeats. Ein Klagelied, physisch schmerzhaft in seiner Wehmut.

    Top 10

    Die glitzernden Augen von Kindern vor dem geschmückten Christbaum – so stelle ich mir euch alle vor, wenn ihr meine Top 10 lest. Also schnappt euch eine Decke, ein warmes Getränk und macht es euch ums Lagerfeuer gemütlich. Ich erzähle euch jetzt eine Geschichte, warum eine Top 10 durchaus schon mit Platz 20 beginnen kann.

    20. In Flames – Battles

    Es war einmal der kleine, kurzhaarige Markus, ein etwas schüchterner, aber sonst unauffälliger Junge. Nachdem er Kontakt mit diversen Nu-Metal-Bands hatte, wollte er auch zu den „coolen“ Metal-Fans gehören und stürzte sich blindlings auf In Flames. Das hat den kleinen, unbedarften Markus meilenweit überfordert, aber er wollte eben cool sein, irgendwann gefiel es ihm und die Band wurde fortan der wichtigste Baustein seines musikalischen Werdegangs. Die alten Klassiker haben die neueren Einsteigeralben schnell überholt und so ist das neueste Album passenderweise „Battles“ betitelt. Für die Schlacht, die ich mittlerweile mit der Band austrage, und der Song „The End“ als Omen, dass ich diese Schlacht verliere? Schon die letzten Alben mit dem letzten verbliebenen Gründungsmitglied waren schwierig, und das wurde danach nicht leichter. Nun sind auch noch der langjährige Schlagzeuger und erst vor wenigen Wochen der Gitarrist ausgestiegen. Ersetzt wurde Ersterer in dieser schwedischen Parade-Band durch einen Amerikaner, der noch nie in einer Metal-Band gespielt hat. Na gut. Dazu schreibt jetzt auch noch eine Riege wildfremder Produzenten an so einem Album mit und in manchen Momenten ist das noch nicht einmal schlecht, ich bin da ganz ehrlich. Ich bin schwach und willenlos, aber das gefällt mir. Teilweise. Sekunden darauf wünsche ich mir nichts sehnlicher, als die Stopptaste zu drücken und alles zu vergessen. Das Songwriting ist beschämend einfallslos und vorhersehbar, die Texte oft peinlich, aber nehmen wir diesen Song. Beginnt schnell mit Riffing das man durchaus unter Melodic Death einordnen könnte, Strophe mit Screams, Pre-Chorus mit gepresstem, hier gut gelungenem Klargesang und schließlich der langsamere Schunkel-Refrain. Wiederholt. Obligatorischer Zwischenteil mit Pflichtsolo. Pre-Chorus. Chorus. Das war vor 15 Jahren bei Linkin Park das ultimative Erfolgsrezept, aber hier ist kein Strömblad mehr, der daraus vor 10 Jahren noch richtig gute Songs machte.

    Wer Zeit hat, nächster Song und Titeltrack natürlich genau gleicher Aufbau, aber als Titeltrack und geplanter Hit etwas ruhiger und melancholischer; gemacht, um zu gefallen und gefällt mir auch, aber eine Stunde lang funktioniert sowas nur schwer. Und es funktioniert nicht.

    17. Unmerciful – Ravenous Impulse

    In den ersten Wochen und Monaten nach X habe ich hauptsächlich Doom und Funeral Doom gehört. Danach auch wieder „normalere“, schnellere Musik, und dann veröffentlichte diese Band den Soundtrack zum zweiten Halbjahr 2016. Eine Band zusammengesetzt aus aktuellen und ehemaligen Mitgliedern von Origin, bei denen man den Eindruck hat, das übertechnische Virtuosentum langweile sie, und zum Ausgleich versuchen sie sich an einer Rückbesinnung auf besinnungslose Härte der Marke Dying Fetus. Eine Mischung aus Origin und Dying Fetus lässt den geneigten Hörer an dieser Stelle mit der Zunge schnalzen, und wenn das auch so nicht zutrifft, so gibt es doch genug zu hören. Überraschenderweise nicht nur von den großen Namen, sondern auch vom Sänger. Er hat zwar nicht die außergewöhnlichste Stimme, aber er macht interessante Dinge, mit denen er das Gehacke auflockert. Wir mögen es, wenn er z. B. in den Strophen den erwarteten Rhythmus bricht und die zweite und dritte Zeile zu einer verbindet (ab 0:17) oder besonders im Refrain das Stakkato über den Triolen am Ende zu den Vierteltriolen auflöst (1:29). Nichts Nobelpreisverdächtiges, aber doch erfrischend. Außerdem, der Text dazu. Wenn ich heuer auf manche eurer Fragen und Aussagen nicht geantwortet habe und euch mit vermeintlich leerem Blick angesehen hab, dann hab ich vermutlich daran gedacht. Das wütende Bellen eines Menschen, der die Geduld verloren hat. Look-in-to-my-hate-filled-eyes-and-tell-me-whatdoyousee. Genau das. Genau so. #heresnopeace

    15. Omnihility – Dominion Of Misery

    Zugegeben, nach traditioneller Zählweise hätte ich die Band heuer wieder auslassen müssen, aber durch das mathematische Weihnachtswunder, dessen Zeuge wir hier werden, darf ich sie euch doch noch präsentieren. Ihr selbstveröffentlichtes Debüt verschaffte ihnen einen gewissen Ruf im Underground, und unser aller Hoffnungen waren groß, als sie dann von dem einen klassischen Label für solche Fälle aufgenommen wurden und darüber ihr zweites Album veröffentlichen durften. Das konnte unsere Erwartungen aber doch nicht ganz erfüllen, und dementsprechend gespannt waren wir wohl alle auf das klischeemäßig entscheidende dritte Album. Glücklicherweise scheint dieses Gutes für ihre Zukunft zu verheißen, denn es liefert genau, was wir wollten. Unterirdisches Growling, fetttriefende Riffs und eine Rhythmusfraktion, die keine Lust auf Frieden hat. Die Musikalität geht dabei aber nicht verloren, sondern ist voll von unmelodischen Melodien und uneingängigen Ohrwürmern. Ab 2:26 oder auch 3:27 hören wir dieses Wechselspiel aus Groove, Gewalt und Griffbrettakrobatik sehr schön. In seiner ungezügelten Brutalität ganz einfach unheimlich entspannend, besänftigend geradezu.

    Wenn Twitter „wenig schreiben und viele lesen’s“ bedeutet, mach ich hier dann sowas wie Anti-Twitter? „Viel schreiben und keiner liest’s?“

    10. Obscura – Akróasis

    Diese Band kennt man ohnehin als eine der bekannten im Technical Death Metal, aber auf dieses Album wart ihr wohl wie ich etwas gespannter als sonst. Nach dem Split mit Mr. Tech und dessen Gründen eines noch technischer fokussierten Spin-offs war unsicher, wie es mit der Band weitergehen würde, und vielleicht fürchtete so mancher von euch ebenfalls eine Melo-Death-Band, deren Eigenständigkeit mit der Technik verloren gegangen sein würde. Aber auch die verbliebenen bzw. neuen Musiker können’s glücklicherweise noch und spielen mit neu gewonnener Spielfreude, aber behaltener technischer Finesse weiterhin in der Oberliga. Wie schön sie z. B. die Melodie von 1:01 bei 1:35 im Bass wiederholen, um dann ab 1:53 das Gitarrensolo glänzen lassen. Ein warmer Sommerregen an Noten und ein Regenbogen aus Melodie.

    9. Crator – The Ones Who Create. The Ones Who Destroy

    Ihr mögt Origin-Spin-offs? Mit Bassisten anderer Top-10-erprobter Bands? Gorguts vielleicht? Ich hab hier was für uns. Nicht zuletzt durch den Sänger klanglich näher am Geschwindigkeitskarussell Origin als der bereits gehörte Spin-off, aber sehr viel atmosphärischer, stimmungsvoller, dunkler. Den oft erwähnten Black Metal hör ich weniger, am ehesten noch bei 1:18, wo wir zuerst sehr stimmungsvolle Gitarren haben, nur um im anschließenden schnelleren Teil die Melodieführung erst recht wieder dem Bass zu überlassen.

    8. Inter Arma – Paradise Gallows

    Wenn ich versuche, das hier als Mischung aus Post Metal, Black, Death, Doom und Sludge zu beschreiben, dann heißt das für den Kenner alles und damit nichts und für den Laien sowieso nichts. Also lasst uns stattdessen gemeinsam ein Bild malen. Wir stehen an einem saftig grün bewachsenen Wiesenhang, die Blumen blühen, die Bienen summen. Darüber kriecht beißend rauchender, ätzender Asphalt, quälend langsam und zähflüssig, der alles Leben unter sich erstickt. Lassen wir uns zu Beginn des Songs auf die Blumenwiese ein und warten auf 3:28, um zu hören, was wir gerade noch sahen.

    7. Katatonia – The Fall Of Hearts

    Die Anzahl von Worten wie „Baby“ oder „Darling“ in Texten sollte üblicherweise ein direkter Indikator für die abzulehnende Cheesiness der entsprechenden Musik sein. Aber manche Bands dürfen das nicht nur, ich erwarte das geradezu. Katatonia machen das nun schon seit Jahrzehnten so und haben sich damit in die Herzen ihrer Anhänger und (hey, ich darf gendern! Im Metal!) Anhängerinnen gespielt. Metal ist das natürlich nicht, aber eine immer wieder interessante Mischung aus Melancholic Rock und Tool. Hier wieder etwas weniger Tool und dafür mehr Herzschmerz, also genau richtig. 1:29 beispielsweise. „Darling, you had me here for a while“. Das geht Album für Album so, und ich fress‘ ihnen aus der Hand. Schaut mich nicht so an!

    6. Deathspell Omega – The Synarchy Of Molten Bones

    Nachdem Gorguts mit ihren vermeintlich letzten beiden Alben die Metal-Welt in Schutt und Asche gelegt haben, übernahmen Bands wie Deathspell Omega diese verkohlten Reste und übertrugen das Rezept von Death auf Black Metal. Nach sechsjähriger Wartezeit und laut gewordenen Zweifeln melden sie sich zurück und zeigen, dass weiterhin mit ihnen zu rechnen ist. Ich kenne mich in Theologie und Mythologie nicht gut genug aus, um die Texte und den Titel voll zu verstehen, aber das Bild von geschmolzenen Knochen gefällt mir ausgesprochen gut. Vielleicht klingen geschmolzene Knochen wie diese abstoßend schöne Melodie bei 5:08, die einsam gegen einen gnadenlosen Blastbeat ankämpfen muss. Und wer mit Französisch die poetische Sprache der Liebe verbindet, der höre, wie über diesem zum Scheitern verurteilten Kampf der Sänger keucht und röchelt.

    5. 40 Watt Sun – Wider Than The Sky

    Auch so eine Band, von der ich Herzschmerz und nichts anderes erwarte. Die grandios platzierten „Baby“ des Vorgängers fehlen hier zwar, aber ich will ihnen ja nicht den Text vorschreiben. Unter dem Namen Warning veröffentlichte der Kopf dieser Band einen Klassiker des zeitgenössischen Doom Metals, nur um die Band kurz darauf aufzulösen und mit neuem Namen, fast gleicher Besetzung und ähnlicher Musik neu zu gründen. Grund dafür war, dass er sich aus der Schublade und Vermarktung als Doom Metal lösen wollte. Und vielleicht spielte er diesen auch gar nicht mehr, wir alle dachten es nur, weil es halt rein äußerlich noch so klang. Auf diesem zweiten Album aber hat er den Sound noch weiter reduziert; die Gitarren sind kaum mehr verzerrt, der Gesang immer noch charakteristisch, aber (leider?) nicht mehr so prägnant weinerlich, und zurück bleibt das minimalistische Gerüst der Geschichten, die Patrick Walker erzählen will. Geduldig zurückhaltendes Schlagzeug im Funeral-Doom-Tempo erlaubt es, dass wir uns ab 5:57, begleitet von gefühlvollem Bass und einer kaum wahrzunehmenden Melodie, auf einen weiteren Aspekt dieser Musik konzentrieren können. Stille. Die tatsächliche Stille zwischen den abklingenden Tönen und den nächsten Anschlägen. 8:12 verdoppelt das Tempo für den Refrain, um bei 8:44 in diese fantastisch schmerzhafte Melodie überzuleiten.

    Hier ist vielleicht auch ein guter Punkt, um anzumerken, dass ich üblicherweise Musik, schon gar nicht diese Art, so analytisch zerpflückend höre. Aber vielleicht hilft es dem einen oder anderen ja, um selbst leichter einzusteigen und auf das lästige Denken verzichten zu können.

    4. Gorguts – Pleiades’ Dust

    Gorguts ist bekanntlich auch gesetzt für Platz 1 in jedem Jahr, in dem sie was veröffentlichen. So auch heuer, was mich zunehmend in Platzprobleme bringt. Die Musik sollte man nicht mehr vorstellen müssen, deshalb nur ganz kurz das Offensichtliche. Dieses Album ist eigentlich nur ein einziger Song, unterteilt zwar in unterschiedliche Teile, aber ohne scharfe Trennung. Dadurch und durch die ohnehin komplexe Musik würde man ein sehr unverdauliches Stück Kopfmusik erwarten, aber damit die Songwriting-Fähigkeiten von Luc und die Skills aller Mitglieder sträflich unterschätzen. Hörproben sind hier schwierig, aber nehmen wir die ruhige Passage bei 12:44, die sich mehr und mehr verdichtet, um dann ab 14:37 aus allen Rohren zu feuern. So ein Übergang sollte abrupt wirken, aber durch die langsame Melodie über der Raserei wirkt er sehr viel flüssiger, als er eigentlich ist.

    Noch ein Wort zur Kopfmusik. Textlich wird eine Band wie Gorguts und generell Death Metal aus irgendeinem Grund oft mit Tod assoziiert. Ihr letztes Album? Tibetische Mandalas. Hier? Ein Konzeptalbum über Aufstieg und Niedergang der historischen Bibliothek von Bagdad. Auch das ist Death Metal.

    3. Dawn Of Dementia – Immolation Of Avernis

    Eine Band, deren Debüt-Album in Insider-Kreisen (zu denen ich uns jetzt einfach zähle) schon seit Langem erwartet wurde, aber dann doch überraschend plötzlich erschien. Und „erscheinen“ ist sowas von das falsche Wort für die Art und Weise, wie das eingeschlagen ist. Death-Metal-Alben um die 60-Minuten-Marke stehe ich üblicherweise skeptisch gegenüber, aber hiervon bekomme ich einfach nicht genug. Hypertechnischer Death Metal, der sich nicht darauf beschränkt, in separaten Soli seine Fähigkeiten zu zeigen, sondern auch in den Riffs ohne Unterlass die Tonleitern rauf und runter klettert und jedes Instrument gleichzeitig solieren lässt. Im vorsichtshalber verlinkten Song meinen wir beispielsweise, uns bei 4:05 nach dem Gitarrensolo einfach nur in den schön melodischen Riff fallen lassen zu können, bis uns klar wird, dass das Solo übergangslos vom Bass übernommen wurde und unsere Aufmerksamkeit weiter beansprucht.

    Aufmerksamkeit ist ein gutes Stichwort im Hinblick auf die erwähnte vorsichtige Songwahl; wer behauptet genug davon zu haben, höre sich bitte noch den besten Song des Albums – und vielleicht des Jahres überhaupt – an. Den Titeltrack und damit das wahnwitzige 15 Minuten lange Instrumental zum Albumabschluss, das Hobby- und Profi-Musikern gleichermaßen die Schamesröte ins Gesicht treiben dürfte. Würde ich noch Worte wie „glücklich“ oder „gut“ benützen, so am ehesten, um zu beschreiben wie man sich dabei fühlt.

    2. Ulcerate – Shrines Of Paralysis

    Ich bin ein sehr einfacher Mensch, gib mir bestimmte Signale und ich bin zufrieden. So ein Signal sind z. B. einzelne, heisere Schreie wie jener, der bei 2:28 die ganze Aussichtslosigkeit dieser Musik versinnbildlicht, die diese Musik darstellt. Oder jener, der die anschließende unheilverheißende Ruhe bei 3:21 zerfetzt. Sehr schön hört man auch, wie das, was Gorguts im Death Metal entwickelt und von Deathspell Omega in den Black Metal gebracht wurde, in Bands wie diesen wieder zurück in den Death Metal fand. Da noch dazu alle gleichzeitig hier vertreten sind, hört man hier bei Ulcerate schließlich auch, wie undurchdringlich dunkel musikalische Dunkelheit eigentlich sein kann. Diese Aussichtslosigkeit und Dunkelheit kann man natürlich auch zusammenfassen als schlichte, allumfassende Ablehnung. Ein simples, aber effektives „Nein“. Dieser Welt, ihren Menschen und all ihren Fragen. Nein.

    1. First Fragment – Dasein

    Ich sage bei manchen Dingen, dass ich schon mehr für weniger gemacht habe und denke dabei daran, wie ich vor vier Jahren ca. 10 Stunden mit dem Bus gefahren bin, um diese Band zu sehen, die ich gerade einmal von ein paar Youtube-Songs kannte. Nach dem Konzert, dem Kauf ihrer Debüt-EP und einem Plausch mit den wirklich netten Bandmitgliedern fuhr ich die gleiche Strecke wieder zurück und wusste, dass Platz 1 sowas von in Stein gemeißelt ist, wann auch immer ihr erstes volles Album fertig sein würde. Sie landeten dann sogar bei dem Label, das wir alle schon vermutet hatten, und es schien nur mehr eine Frage der Zeit zu sein. Nach allen möglichen technischen und bürokratischen Verschiebungen war es dann heuer endlich so weit. Nach all der Warterei und Idealisierung waren meine Erwartungen unrealistisch hoch und doch steht die Band jetzt an ihrem rechtmäßigen Platz. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, die ähnlich virtuosen Death Metal spielen, schreibt diese hier aber noch dazu richtig gute, flüssige Songs mit unerwartet aggressivem Gesang, viel Groove und Mut zu genrefremden Experimenten. Deshalb auch an dieser Stelle kein Verweis auf ein technisches Gustostückerl, weil diese eh im ganzen restlichen Album zu finden sind, sondern darauf, wie wir bei 1:46 hören, dass die Leute studierte Musiker sind und auch diverse Gitarristen aus Flamenco oder anderen Genres als Vorbilder erwähnen.

    Der englische Name und der deutsche Titel sollen des Weiteren nicht davon ablenken, dass diese Band als einer der vielen Vertreter der Death-Metal-Szene in Québec, sich dafür entschieden hat, ihr französisches Erbe auch in den Texten zu zeigen. Sie schreibt somit nicht nur wie oft zu sehen einzelne Songs, sondern das ganze Album auf Französisch. Ungewöhnlich, aber soll mir recht sein, wenn wir nur nicht wieder so lange bis zum nächsten Album warten müssen. Platz 1 bleibt wohl reserviert.

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